Würstchen, Pflaumenkuchen und ein Playlist-Unfall.

Große Sprüche klopfen kann im Wahlkampf wirklich jeder. Die Politiker benehmen sich nach dem Motto: Wer am lautesten schreit, hat Recht! Doch kommen wir lieber zu den harten Fakten. NOIZZ will wissen: Wie gut können die Parteien eigentlich feiern? Dafür besuchen wir an diesen Tagen Partei-Partys!

Heute: die SPD.

Location

Das Garten- und Grillfest der SPD wird im Vereinshaus des Kleingartenvereins „Freudental e.V.“ abgehalten. Um 18 Uhr geht die Party los. Der Zaun des Gartens ist mit SPD-Luftballons geschmückt, daneben weht eine SPD-Stehflagge. Kaum zu verfehlen. Die Lokalpolitiker begrüßen die Neuankömmlinge.

Crowd

Die Party ist nicht so leer wie die Geburtstagsfeiern des Klassenkameraden, den keiner leiden kann. Im Laufe des Abends kommen immer mehr Gäste.

Zur Hälfte besteht das Publikum aus Parteimitgliedern, zur Hälfte aus Interessenten und Nachbarn.

Die Senioren haben sich unter den drei SPD-Pavillons verschanzt. Sie machen ungefähr 50 Prozent der Anwesenden aus. Es sind aber auch überraschend viele junge Menschen da, Eltern mit ihren Kindern und Studenten. Von der angeblichen Überalterung der SPD ist hier nicht viel zu spüren.

Dresscode

Eigentlich gibt es keinen. Vom T-Shirt bis hin zum Anzug ist alles vertreten. Je älter und je höher gestellt die Leute in der Partei sind, desto offizieller fällt auch die Gaderobe aus.

Soundcheck

Es läuft eine Playlist. Ein Laptop ist mit zwei Stehboxen verbunden. Wenn die SPD bei diesem Grillfest neue Mitglieder anwerben will, wird es ihr definitiv nicht wegen guten Musikgeschmacks gelingen.

Den ganzen Abend dudelt alter Rock durch die Boxen, zwischendurch läuft „sieben Fässer Wein“, „griechischer Wein“ und ein Weihnachtslied. Als er das hört, rennt einer der Veranstalter schnell zum Laptop und klickt weiter.

Das musikalische Highlight ist der Song „Immer wieder sonntags“. Hoffentlich kommt die Erinnerung nicht erst am Wahlsonntag zurück.

Smalltalk

Den ganzen Abend über unterhalten sich die Leute inkleinen Gruppen. Es geht um die Rentenpolitik, den Flughafen Tegel, den Abgasskandal und die AfD.

Neben den politischen Themen geht es aber auch viel um Privates. Die Menschen reden über ihre Gärten und ihre Urlaubsplanung. Das Ambiente des Gartens ist gut gewählt. Die Veranstaltung hat mehr von einer Familienfeier als von einem Partei-Event.

Catering

Wenn es nichts Ordentliches zu Essen gibt, verlassen Rentner nicht freiwillig das Haus. Der SPD scheint das bewusst zu sein. Das Buffett ist mehr als reichhaltig. Nudelsalat, Steaks und Würstchen vom Grill, Kuchen, Brote und natürlich Bier vom Fass für 1,50 Euro.

Das Catering erinnert stark an einen Besuch bei Oma. Du kannst davon ausgehen, dass es soviel zu essen gibt, dass alle davon noch drei Tage lang satt werden.

LOL des Abends

In Technikangelegenheiten scheinen die Genossen einige Schwächen zu haben. Bei den Reden der Kommunalpolitiker gibt es regelmäßig Tonprobleme.

OMG des Abends

Wenn das Mikrofon mal funktioniert, wünscht sich der Zuhörer direkt einen erneuten Absturz. Die Reden triefen vor Eigenlob. Wie toll dieses Event organisiert wurde, welch großartige Leistung die anwesenden Politiker im Berliner Senat und Ehrengast Eva Högl im Bundestag abliefern. Gnädigerweise werden die Reden im Zweiminutentakt von den Tieffliegern des Flughafens Tegel übertönt.

Fazit

Die Party der SPD war eine nette Veranstaltung. Es gab viel zu essen und zu trinken und die Leute waren nett.

Cool war der Abend nicht. Dafür taugte die Musik einfach nicht. Am Ende ist die SPD eben doch etwas angestaubt. Auf einer Familienfeier betrinkt man sich ja auch nicht hemmungslos und dreht total auf.

Quelle: Noizz.de