Laut einer Studie denkt fast jeder Dritte populistisch.

Am 24. September ist Bundestagswahl. Nach dem Hype um den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz zeigt sich die CDU/CSU um Bundeskanzlerin Angela Merkel in den Umfragen stabil an der Spitze. Gibt es dennoch eine Überraschung?

Der Spiegel berichtet von einer Studie, deren Ergebnisse alarmierend wirken. 29,2 Prozent der Wahlberechtigten in Deutschland sind demnach populistisch eingestellt, wenden sich gegen politische Eliten und pluralistische Werte.

Zu diesem Urteil kam der Wahlforscher Robert Vehrkamp mit seinen Kollegen nach drei repräsentativen Erhebungen mit jeweils mehr als 1.600 Wahlberechtigten. Auftraggeber der Studie war die Bertelsmann-Stiftung.

Die Studienteilnehmer mussten Thesen entweder zustimmen oder diese verneinen. So heißt es in dem Fragebogen: „Die Parteien wollen nur die Stimmen der Wähler, ihre Ansichten interessieren sie nicht.“ Wer allen insgesamt acht Thesen zustimmt, gilt laut Forschern als populistisch.

In den USA hat Donald Trump vorgemacht, wie ein Populist an die Macht kommen kann. Doch in Deutschland sehen die Forscher trotz des Ergebnisses ihrer Studie nicht schwarz. Die Autoren verweisen darauf, dass die Wähler eher moderate und keine radikalen Ansichten vertreten würden.

Vehrkamp: „Das sind enttäuschte Demokraten, aber keine Feinde der Demokratie.“ 85 Prozent der populistisch eingestellten Wähler unterstützten ein demokratisches System, 69 Prozent befürworten die Mitgliedschaft in der EU.

Die AfD-Wähler protestieren gegen die Regierung Foto: dpa / dpa picture alliance

Auch wenn die Autoren keine Sorge haben – die AfD hat bewiesen, dass man mit Populismus Erfolg haben kann. Bei der Flüchtlingsthematik erzielte die Partei mit rund 60 Prozent die höchste Zustimmung – allerdings auch nur bei dieser Thematik. Andere Forderungen, wie nach einer Entmachtung der Eliten, schrecken die Wähler nach Meinung der Autoren eher ab.

Übrigens: Die meisten nicht-populistischen Wähler sollen laut der Studie mit der CDU/CSU sympathisieren.

Die Thesen der Studie

Der Grad populistischer Einstellungen wird in der Studie anhand der Zustimmung zu den folgenden acht typisch populistischen Einstellungen gemessen:

1. "Die Bürger sind sich oft einig, aber die Politiker verfolgen ganz andere Ziele."

2. "Mir wäre es lieber, von einem einfachen Bürger politisch vertreten zu werden als von einem Politiker."

3. "Die Parteien wollen nur die Stimmen der Wähler, ihre Ansichten interessieren sie nicht."

4. "Die politischen Differenzen zwischen den Bürgern und Politikern sind größer als die Differenzen der Bürger untereinander."

5. "Wichtige Fragen sollten nicht von Parlamenten, sondern in Volksabstimmungen entschieden werden."

6. "Die Politiker im Bundestag sollten immer dem Willen der Bürger folgen."

7. "Die Bürger in Deutschland sind sich im Prinzip einig darüber, was politisch passieren muss."

8. "Was man in der Politik 'Kompromiss' nennt, ist in Wirklichkeit nichts Anderes als ein Verrat der eigenen Prinzipien."

Quelle: Spiegel