Elf Tote nach Schüssen im Hessischen Hanau am Mittwoch den 19. Februar. Mittlerweile gibt es konkrete Anhaltspunkte für Gewalttaten mit rassistischem Terrorhintergrund. Aktuell werden die Informationen ausgewertet.

Im hessischen Hanau hat es bei einer Gewalttat elf Tote gegeben. Bei Angriffen auf zwei Shisha-Bars wurden nach Polizeiangaben am Mittwochabend neun Menschen erschossen. Später sei der mutmaßliche Täter tot in seiner Wohnung in Hanau aufgefunden worden. Auch eine zweite Leiche wurde dort entdeckt. Wegen Hinweisen auf einen rechtsextremen Hintergrund übernahm der Generalbundesanwalt die Ermittlungen.

Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich um einen 43-jährigen Deutschen

Der Hanauer sei ebenso wie seine 72 Jahre alte Mutter tot in seiner Wohnung gefunden worden, sagte Innenminister Peter Beuth am Donnerstag im Landtag in Wiesbaden. Der Mann soll zuvor neun Menschen in Hanau erschossen haben. Der Generalbundesanwaltschaft stuft das Verbrechen als Verdacht auf eine terroristische Gewalttat ein. Es gibt ein Bekennerschreiben und ein Video, beides wird aktuell ausgewertet.

Darüber hinaus hat der mutmaßliche Täter vor dem Gewaltverbrechen eine umfangreiche Sammlung von Erklärungen und Weltanschauungs-Theorien im Internet verbreitet. In einem knapp einstündigen Video behauptet er unter anderem, Deutschland werde von einem Geheimdienst mit weitreichenden Fähigkeiten gesteuert. Außerdem äußert er sich negativ über Migranten aus arabischen Ländern und der Türkei.

Der hessische Innenminister Peter Beuth bestätigt einen mutmaßlichen rechtsextremen Hintergrund der Tat. "Nach unseren jetzigen Erkenntnissen ist ein fremdenfeindliches Motiv durchaus gegeben", sagt der CDU-Politiker. Darauf deute etwa eine Homepage hin, aus der sich ein mutmaßlicher rechter Hintergrund ergebe. Der Täter soll legal im Besitz einer Waffe und Sportschütze gewesen sein.

Die Tat wird bereits in einen größeren Kontext rechtsextremer Gewalt gesetzt: Die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger äußert sich besorgt über die Zunahme rechtsextremer Gewalt. "Ein Rechtsextremist ermordet Walter Lübcke. Ein Rechtsextremist verübt einen antisemitischen Anschlag in Halle. Ein Rechtsextremist tötet zehn Menschen in Hanau", sagt die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung. "Zu lange wurde die Gewaltbereitschaft der Rechtsextremisten unterschätzt. Was muss noch geschehen, bis die Gefahr durch rechten Terror endlich ernst genommen wird?"

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ist alarmiert. Sie sagte wegen der Gewalttaten von Hanau ihre Reise zu einer Veranstaltung in Halle kürzlich ab. "Die Bundeskanzlerin lässt sich fortlaufend über den Stand der Ermittlungen in Hanau unterrichten", twittert Regierungssprecher Steffen Seibert.

[in Zusammenarbeit mit dpa]

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Quelle: Noizz.de