5 Dinge die wir durch die ARD-Doku über die AfD gelernt haben

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Der rechte Politiker Björn Höcke ist einer der Spitzenpolitiker der AfD Foto: arifoto UG / dpa

Von Hitlerjugend-Fans bis Ariernachweisen.

Bereits fünf Jahre ist es nun her, dass die „Alternative für Deutschland“ in Berlin gegründet wurde. Am Anfang wurde die Partei mit "patriotischem" Ansatz von der Mehrzahl der Deutschen nicht ernst genommen. Dass die AfD allerdings mittlerweile Massen von sogenannten besorgten Bürgern mobilisiert, ist spätestens nach dem vermeintlichen Trauermarsch in Chemnitz klar.

Die ARD hat die rechte Partei nach den Ausschreitungen in Sachsen jetzt unter die Lupe genommen und die Ergebnisse am 15.10. in einer Dokumentation veröffentlicht. Wir haben uns die Doku angeschaut und die fünf größten Offenbarungen über die AfD aufgelistet.

1. Die Rhetorik der AfD verblendet

Eine der größten Gefahren der AfD ist die Sprache, die die rechte Partei verwendet, wie der ARD-Beitrag zeigt. Für ungeschulte Ohren klingen die Aussagen von Spitzenpolitikern wie Jörg Menthen nämlich ziemlich harmlos. Der Parteivorsitzende ruft zum Beispiel auf, auf dem „demokratischen und rechtstreuen Weg“ eine Veränderung im Land zu bewirken. Statt Nazi-Rhetorik wie bei dem Wort „Rasse“ sprechen die Mitglieder der AfD über Identität oder Ethnie, selbst wenn damit häufig dasselbe gemeint ist. Mit der gefahrlosen Sprache macht es die AfD vor allem dem Verfassungsschuss schwer, sie als rechtsextrem zu deklarieren – obwohl sich hinter der blauäugigen Rhetorik dennoch verfassungsfeindliche Tendenzen verbergen.

Alexander Gauland nutzt verschlüsselte Nazi-Rhetorik Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

2. Die AfD droht Aussteigern

Der ehemalige AfD-Politiker Matthias Manthei zeigt in der ARD-Doku ziemlich deutlich, dass die Partei seinen Mitgliedern gegenüber überhaupt nicht loyal ist. Denn sobald einem Mitglied wie Manthei die Methoden der AfD zu radikal werden, folgen Morddrohungen. „Früher hätte man so jemanden an die Wand gestellt“ und ähnliche Drohungen erhält das Ex-Mitglied seit dem Ausstieg. Außerdem betont der Aussteiger, dass die AfD so skrupellos wie „kriminelle Banden“ agiert und seiner Meinung nach verfassungsfeindlich ist.

AfD-Aussteiger kommen nicht so leicht davon Foto: arifoto UG / dpa

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3. Die AfD ist gewaltbereit

Spätestens seit dem Vorfall in Chemnitz ist wohl klar, dass die AfD-Anhänger ihre Grundsätze auch mit Gewalt durchsetzen. Gerade Journalisten müssen immer wieder mit Angriffen der Menschen mit rechter Gesinnung rechnen. Auch bei dem sogenannten Kyffhäusertreffen im April 2018, bei dem sich hohe Tiere der AfD mit der rechten Untergruppierung „Der Flügel“ getroffen haben, wurden Journalisten körperlich attackiert und sogar mit Mord bedroht, wie das Videomaterial der Dokumentation beweist.

Die Bilder von dem „Trauermarsch“ in Chemnitz beherrschten die Medien Foto: Ralf Hirschberger / picture-Alliance

4. Die AfD ist verstrickt in ein rechtes Netzwerk

Obwohl es die Mitglieder der AfD immer verleugnen, hat die ARD aufgedeckt, dass die AfD in ein rechtsradikales Netzwerk verstrickt ist. Die AfD-Mitglieder mit nationalsozialistischen Ansichten sammeln sich in der Gruppierung „Der Flügel“, in denen sich zahlreiche Parteimitglieder mit Verbindungen zu rechtsextremen Gemeinschaften finden lassen. So wie der Brandenburger Andreas Kalbitz, der sich in einer Hitlerjugend-ähnlichen Organisation engagierte – und bis 2015 Vorstand von „Kultur- und Zeitgeschichte, Archiv der Zeit e.V.“ war. Dieser Verein wurde von ehemaligen SS-Mitgliedern gegründet. Laut der Dokumentation gibt es bis zu 100 AfD-Mitglieder deutschlandweit, die ähnliche Verbindungen in die rechte Szene haben. Davon seien momentan auch einige im Bundestag vertreten, wie die ARD recherchiert hat.

Andreas Kalbitz wird als Nachfolger von Alexander Gauland gehandelt Foto: Julian Stähle / dpa

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5. Der AfD-Nachwuchs kommt aus Burschenschaften

Selbst der Nachwuchs der AfD ist oft schon in der rechten Szene etabliert, bevor sie der Partei überhaupt beitreten. So wie die Mitglieder der deutschen Burschenschaft, ein Verein von studierte, gebildete Männern mit nationalsozialistischen Ansichten, die bereits zahlreich in die AfD eingetreten sind. Die Gruppierung wird vom Verfassungsschutz beobachtet und ist 2012 erstmals aufgrund der Forderung eines „Ariernachweises“ in die Medien geraten. Der Sprecher des Vereins Philip Stein gibt in Dokumentation sogar zu, dass es „nicht nur eine Frage des Passes, sondern auch des Blutes ist“, wer der völkischen Bruderschaft beitreten darf.

Bruderschaften bilden den AfD-Nachwuchs aus Foto: Nils Holgerson / dpa

Im Großen und Ganzen scheint die Dokumentation der ARD das zu bestätigen, was viele schon lange vermuteten: Die AfD ist eine Partei, die durchaus als rechtsradikal und verfassungsfeindlich einzustufen ist. Gerade einmal fünf Jahre nach Gründung der Alternative für Deutschland hat sich die Gruppierung zu hoher Relevanz in Deutschland gekämpft und die nationale politische Landschaft dauerhaft verändert. Die sorgfältige Aufdeckungsarbeit dieser Doku zeigt außerdem, dass sich in der AfD gerade die Spreu vom Weizen trennt. Während viele Politiker schon wieder aus der Partei aussteigen, weil es ihnen zu rechtsradikal wird, wollen andere wie Björn Höcke Deutschland brennen sehen...

Quelle: Noizz.de