In der Nähe des Straßburger Weihnachtsmarktes wurden bei durch Schüsse drei Menschen getötet. Was ist genau passiert? Wer ist der Täter?

+++ Die Nachrichtenlage bei einem aktuellen Ereignis kann sich jederzeit ändern +++

Der Weihnachtsmarkt in Straßburg ist auch bei Deutschen sehr beliebt. Kehl ist mit der Tram nur gut zehn Minuten entfernt. Doch nun ist dort das passiert, wovor viele sich fürchten, trotz erhöhter Sicherheitsauflagen: Ein junger Mann schießt um sich und tötet mindestens drei Menschen. Der polizeibekannte Gefährder ist auf der Flucht – und hält ganz Frankreich in Atem.

Was ist genau passiert?

Der Verdächtige hatte nach Angaben der Präfektur gegen 20 Uhr nahe dem Weihnachtsmarkt der Elsass-Metropole das Feuer eröffnet. Frankreichs Innenminister Castaner beschrieb den genauen Tatort nicht näher und sagte lediglich, der Täter habe an drei verschiedenen Orten in der Stadt „Terror“ verbreitet. Zwischen 20 und 21 Uhr habe er sich zweimal einen Schusswechsel mit Sicherheitskräften im Patrouilleneinsatz geliefert.

Weite Teile der Straßburger Innenstadt wurden gestern Abend an über Stunden abgeriegelt. Menschen wurden dazu aufgerufen, die Innenstadt in Richtung Norden zu verlassen und nicht in Richtung des südöstlich gelegenen Stadtteils Neudorf zu gehen. Dort war nach dem flüchtigen Tatverdächtigen gefahndet worden.

Die Polizei rief die Bürger dazu auf, Ruhe zu bewahren und den Anweisungen der Sicherheitskräfte zu folgen.

>> Mehr zum Thema: Wie die „Bataclan“-Anschläge das Leben dieser 4 Menschen veränderte

Auch das Europaparlament in Straßburg wurde zwischenzeitlich abgeriegelt. Es befindet sich in unmittelbarer Nähe des Anschlagortes. Über Stunden hinweg durfte niemand das Gebäude verlassen, Mitarbeiter wurden per Handy-Kurznachricht und Mail gewarnt. Erst heuet Morgen durften sich Abgeordnete und Mitarbeiter auf den Heimweg machen.

Wie viele Tote und Verletzte gibt es?

Laut französischem Innenministerium wurden drei Menschen getötet, darunter auch ein Tourist aus Thailand. Das bestätigte das thailändische Außenministerium in Bangkok. Kurz nach den Schüssen in der Straßburger Altstadt hatte sowohl die Polizeigewerkschaft als auch der Bürgermeister von vier Toten gesprochen. Dies wurde inzwischen revidiert. Laut Frankreichs Innenminister Christophe Castaner wurden mindestens 12 Menschen verletzt, sechs davon schwer.

Bürgermeister Ries sagt, für die Stadt beginne ein Tag der Trauer. Der Weihnachtsmarkt werde geschlossen bleiben. Die drei Opfer des Mannes seien brutal getötet worden. Es befinden sich keine Deutsche unter den Opfern.

Was ist über den mutmaßlichen Täter bekannt?

Die Polizei in Straßburg fahndet mit einem Großaufgebot nach dem geflüchteten Täter. Bei dem 29-jährigen Mann soll es sich nach übereinstimmenden Medienberichten um Chérif Ch. handeln, ein französischer Staatsbürger mit algerischen Wurzeln, der aus Straßburg stammt.

Der vermutlich radikalisierte Mann soll nach Medienberichten vor seiner Flucht von Soldaten verletzt worden sein. Nach Informationen des Senders France Info entkam er mit einem Taxi, das er gestohlen hatte. Etwa 350 Einsatzkräfte und mehrere Hubschrauber seien an der Fahndung beteiligt, sagte Innenminister Castaner.

Der mutmaßliche Täter hätte einem Medienbericht zufolge bereits gestern morgen verhaftet werden sollen. Wie France Info unter Berufung auf Polizeiquellen berichtete, war er jedoch nicht zu Hause. Demnach wird dem 29-Jährigen versuchter Mord vorgeworfen. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung Stunden vor den Schüssen sollen Granaten gefunden worden sein, wie France Info und die Zeitung „Le Parisien“ berichteten.

Was war sein Motiv?

Die Pariser Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen wegen eines möglichen terroristischen Hintergrundes. Der Schütze sei „seit mehreren Jahren“ radikalisiert wurden, so der französische Innenminister. In Frankreich und Deutschland sei er schon wegen mehrere Straftatetn verurteilt wurden, die allerdings keinen terroristischen Hintergrund hatten.

In der französischen Sicherheitskartei sei er bereits als Extremist eingestuft wurden. In Deutschland wurde er hingegen wegen Einbruchsdelikten mehrfach verurteilt.

Ist der Täter nach Deutschland geflüchtet?

Straßburgs Bürgermeister Roland Ries antwortete auf die Frage, ob der Mann ins benachbarte Deutschland geflüchtet sein könnte: „Die Grenze ist im Prinzip geschlossen.“ Es sei aber alles möglich, falls der Tatverdächtige ein Auto habe. Die Bundespolizei erklärte, es gebe Kontrollen an vier Grenzübergängen nach Frankreich.

Am deutsch-französischen Grenzübergang kontrollierte die Polizei am Abend Autos, die von Deutschland nach Frankreich fuhren. Der Verkehr einer grenzüberschreitenden Straßenbahn sei eingestellt worden.

Was passiert jetzt weiter?

Frankreich ist in den vergangenen Jahren immer wieder Ziel von islamistisch motivierten Terroranschlägen geworden, die fast 250 Menschen das Leben kosteten. Auch diesmal übernahmen wieder Anti-Terror-Spezialisten der Pariser Staatsanwaltschaft die Ermittlungen. Die Untersuchung wurde unter anderem dem Inlandsgeheimdienst DGSI übergeben, wie Justizkreise der Deutschen Presse-Agentur in Paris bestätigten. Castaner war in der Nacht in Straßburg eingetroffen.

>> Mehr zum Thema: Diese Doku zeigt, wie Behördenversagen das Attentat auf dem Breitscheidtplatz ermöglichte

Frankreichs Regierung ließ nach dem Anschlag die höchste nationale Sicherheitswarnstufe ausrufen. Das bedeute verstärkte Kontrollen an den Grenzen des Landes, erläuterte Castaner. Auch Weihnachtsmärkte würden stärker kontrolliert.

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron berief in Paris eine Krisensitzung ein. Er beriet sich heute unter anderen mit Premierminister Édouard Philippe und Verteidigungsministerin Florence Parly. „Solidarität der gesamten Nation für Straßburg, unsere Opfer und ihre Familien“, schrieb Macron auf Twitter.

In Straßburg öffnen die kulturellen Einrichtungen der Stadt heute nicht. Der Unterricht sollte an Grundschulen und Vorschulen ausgesetzt werden. Eltern wurde geraten, ihre Kinder zu Hause zu lassen, wie die Präfektur mitteilte. An weiterführenden Schulen und Hochschulen sollte der Unterricht stattfinden.

Der Straßburger Weihnachtsmarkt war schon einmal Ziel eines Anschlages

Zusammen mit dem Weihnachtsmarkt in Dresden zählt der Straßburger Weihnachtsmarkt zu den ältesten Europas. Der „Christkindelsmärik“ wurde 1570 erstmals erwähnt. Er sollte schon einmal Ziel eines Attentats sein: Im Jahr 2000 wurde ein geplanter Sprengstoffanschlag einer algerischen Gruppe rechtzeitig verhindert. Sie wurden in Frankfurt a. M. verhaftet.

[Text: Zusammen mit dpa]

Quelle: Noizz.de