Kanzlerin Merkel hat ein zweites TV-Duell abgelehnt.

Es gab kaum Streitpunkte, stattdessen behandelten Angela Merkel und Martin Schulz einander mit viel Respekt und gegenseitiger Zustimmung. Das Kanzlerduell hatte mehr von einem Senioren-Tanztee als von einem echten Duell.

Trotzdem haben 16 Millionen Zuschauer die Sendung verfolgt. Und die fordern jetzt ein zweites Duell. Nicht, weil sie nichts mit ihrem Sonntagabend anzufangen wissen. Tatsächlich sind viele Zuschauer der Meinung, dass ein Großteil ihrer Fragen nicht beantwortet wurde.

Martin Schulz griff die Kritik der Zuschauer dankend auf. Es sei viel zu wenig über Digitalisierung und Bildung gesprochen worden. Umfragen haben ergeben, dass Schulz bei dem Duell schlechter abgeschnitten hat als Merkel. Kein Wunder also, dass er gern ein zweites Duell hätte.

Bei seinen Umfragewerten hilft nur noch Beten Foto: dpa picture alliance

Doch es ist egal, ob Schulz von einem zweiten Duell profitiert. Und auch, dass viele deutsche während der Sendung endlich einmal gut schlafen könnten. Ein zweites Duell wäre für die Wähler sinnvoll.

Das TV-Duell und die Bundestagswahl liegen drei Wochen auseinander, das ist viel zu viel. Außerdem ist es sehr schwach von Angela Merkel, dass sie an der zweiten Runde nicht teilnehmen will. Denn sie selbst hat auf offene Themen und Fragen hingewiesen, auf die das erste Duell keine Antworten geliefert hat.

Sie vertritt das deutsche Volk und trägt damit große Verantwortung. Es ist ein Privileg, dass Vertrauen der Bevölkerung für weitere vier Jahre geschenkt zu bekommen. Das muss man sich verdienen und wenn ein zweites Duell gewünscht wird, muss sie halt daran teilnehmen. Was Merkels Verhalten zeigt: Sie ist feige. Noch schlimmer: Sie zeigt Feigheit vor einem Feind, dessen politische Gefahr fast gegen null geht.

Genauso unverständlich ist aber auch die Haltung der deutschen Medien. Sie sollen nicht nur die Menschen in unserem Land informieren. Sie sind auch dafür da, dass sich die Bevölkerung orientieren kann, dass sich die Wählerinnen und Wähler eine eigene Meinung bilden können. Tatsächlich sind viele Wähler aber komplett überfordert. Für sie gibt es zu wenige Unterschiede zwischen CDU und SPD.

Die Medien kommen gerade ihrer Aufgabe nicht nach. Wieso sie sich so von Angela Merkel auf der Nase rumtanzen lassen, verstehe ich nicht. Stattdessen wird sie aber wie ein Alleinherrscher behandelt. Wenn sie sagt, dass sie keinen Bock auf ein zweites Duell hat, dann findet es eben nicht statt!

Aber genau diese Haltung ist ein Fehler. Man darf sich von ihr nicht vorschreiben lassen, ob es ein zweites Duell gibt oder nicht. Die Verantwortlichen der TV-Sender sollten endlich mal beweisen, dass sie Eier in der Hose haben. Sie sollten Martin Schulz und Angela Merkel zu einer zweiten Runde einladen. Und wenn Merkel absagt, dann hält Martin Schulz eben 90 Minuten lang einen Monolog vor laufender Kamera. Langweiliger als beim letzten Mal kann es nicht werden.

Quelle: Noizz.de