... dank den Grünen.

Dass ich das noch einmal sage, verwundert mich selber etwas, aber die Wahl zum bayrischen Landtag macht mir Mut.

Obwohl die CSU – zwar abgeschmiert aber dennoch – 37, 2 Prozent der Stimmen holte und auch die noch konservativen Freien Wähler es auf 11,6 Prozent schafften und die rechtspopulistische AfD sogar 10,2 Prozent einheimste und obwohl die SPD ins bodenlose Tief von gerade einmal 9,7 Prozent versank.

Der Grund dafür ist das Wahlergebnis von Bündnis 90/Die Grünen, die mit sage und schreibe 17,5 Prozent die zweitstärkste politische Kraft wurde.

Damit ist nicht nur die absolute Mehrheit der CSU im bayrischen Parlament zum ersten Mal seit Jahrzehnten durchbrochen, das Rekordergebnis der Grünen in Bayern zeigt auch: Es gibt noch eine politische Mitte.

Mit Werten und Normen. Und zwar solchen, die sich gegen Menschenhass aussprechen und die für Toleranz stehen. Die keine Lust auf politischen Intrigenspielchen haben (siehe Horst Seehofer) und sich stattdessen lieber auf politische Inhalte konzentrieren. Genau das haben die beiden Spitzenkandidaten der Grünen, Katharina Schulze und Ludwig Herrmann, getan.

Das Beste daran ist, dass auch die Wähler sich darauf eingelassen haben und mit ihrer Stimme ein Zeichen gegen die populistischen Tendenzen in unserer Gesellschaft gesetzt haben. Die Wahlbeteiligung lag bei außergewöhnlich hohen 72,4 Prozent – auch ein Zeichen dafür, wie sehr die Politik, vielleicht auch der Streit der großen Koalition, die Menschen polarisieren.

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Und klar tut es weh, im ZDF im Anschluss an die ersten Hochrechnungen die Wahlparty der AfD im Porvinz-Ort Mamingen zu sehen, wo Alice Weidel vor einer Horden Männer und ein paar verirrten Frauen im Dirndl ihre „Merkel muss weg!“-Rede hält. Immerhin kamen weitaus weniger als erwartet, die Party wurde zum Flop.

Neben den Grünen hat es auch die FDP wieder in den bayrischen Landtag geschafft. Natürlich sind die Ursachen für den Wahlerfolg der Grünen vielseitig: Dass die Landwirtschaft noch immer ein wichtiger Standfuß der bayrischen Wirtschaft ist, mag ein Grund sein. Aber doch waren es eher Bayerns Großstädte, in denen die Grünen stärkste Kraft wurden.

Die Grünen könnten zur neuen urbanen Volkspartei werden. In Baden-Württemberg sind sie das schon und stellen die Regierung. Natürlich sind sie kein Hippie-Verein mehr, es gibt durchaus auch konservative Kräfte bei den Grünen, die CDU-Mitglieder seien könnten, wie etwa Baden-Württembergs Ministerpräsident Wilfried Kretschmann. Der stellt sich aber im Gegensatz zu vielen anderen Politikkollegen in der CDU oder CSU offen gegen Fremdenhass.

Und auch die Einstellungen der Wähler bei der bayrischen Landtagswahl geben mehrheitlich Grund zu Freude. Sie sind offen und eher liberal eingestellt. Wer hätte das gedacht in einem Bundesland wie Bayern, wo man doch den Eindruck hat, die würden sich am liebsten wieder zu einem eigenen Königreich ernennen?

Die wichtigsten Themen für viele Wähler waren Schul- und Bildungspolitik, bezahlbarer Wohnraum sowie Umwelt- und Klimapolitik. Weit abgeschlagen: Die Flüchtlingspolitik, die nur für 33 Prozent aller Wähler ein ausschlagkräftiges Kriterium waren. Das Thema mit dem sowohl CSU, als auch Freie Wähler und AfD Stimmung gemacht hatten.

Vielleicht besteht für unser Land doch noch Hoffnung, nicht im rechtspopulistischen Sumpf zu versinken. Der nächste Test folgt in zwei Wochen mit der Landtagswahl in Hessen.

Quelle: Noizz.de