Warum ich als Mann zum Women's March gegangen bin

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Am Brandenburger Tor ging der Women's March los. Foto: Kai Hermann / Noizz.de

Die Demo ist keine reine Frauensache.

Im Januar 2019 findet bereits der dritte Women’s March statt. Zum ersten Mal wurde vor zwei Jahren in den USA marschiert, nachdem Donald Trump dort die Wahl zum Präsidenten gewonnen hatte. Es war ein Protest aller Frauen und Verbündeten, die sich gegen seine menschenverachtenden Weltanschauung und Politik stellten. Internationale Unterstützung wurde bereits von Beginn an deutlich. So wurde und wird auch in Deutschland marschiert, beispielsweise in Berlin. Ich bin dabei!

Gemeinsam mit meiner Begleitung erreiche ich das Brandenburger Tor pünktlich um 10:00 Uhr am Samstagmorgen, den 19. Januar. Ich bin bereit um für das einzustehen, was längst überfällig sein sollte: Die Gleichberechtigung der Geschlechter. Weltweit. Auf allen Ebenen.

No MANsplaining needed. Foto: Kai Hermann / Noizz.de

Die ersten Self-Made-Schilder werden schon in die Höhe geschwungen – Aufschriften wie „Women’s Rights Are Human Rights“ oder „My Body, My Rules“ füllen die wachsende Menschenmenge, die sich vor einem kleinen Roten Truck versammelt. Dort werden wir von den Organisator*innen empfangen. Voller Energie und Lebensmut danken sie für das zahlreiche Erscheinen und machen auf die Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern aufmerksam, größtenteils zwischen Mann und Frau, die sich in unserem Alltag seit Jahrhunderten institutionalisiert hat. Man hört Wut in den Stimmen der Redner*innen. Und das ist gut so – denn wir sind wütend.

Rund 50% der Weltbevölkerung ist weiblich – in Führungspositionen finden sich dagegen knapp 30%, wird gleich zu Beginn der Reden klargestellt. Bei Professuren an Universitäten sieht es ähnlich aus – auf rund 30 Stellen sind lediglich drei von Frauen besetzt. Dabei ist die Anzahl von Hochschulabsolventinnen ebenso hoch wie die von Absolventen. Ja, es ist eigentlich schon lange klar: In unserer Gesellschaft stimmt so einiges nicht!

Der Women’s March möchte weltweit ein Zeichen gegen all das setzen und lädt jeden Menschen zur Teilnahme ein, der eine gleichberechtigte Gesellschaft als zukünftigen Status Quo sieht. Nochmal zur Wiederholung: JEDER Mensch ist eingeladen und sollte sich auch davon angesprochen fühlen. Nicht nur Frauen, auch Männer und jedes Geschlecht dazwischen. Bei Gleichberechtigung gewinnt jede Partei ausnahmslos. Frauen werden mehr respektiert und nicht nur schamlos als Objekte betrachtet, Männer können loslassen von dem toxischen Selbstbild, dass ihnen aufgezwängt wird. Es ist ein Profit für das Wohlbefinden und die mentale Gesundheit aller. Ziele, für die sich das Marschieren auf den Straßen mehr als alles lohnt.

Die Mantren werden laut und deutlich gerufen: „Equal work for equal pay“, „We are unstoppable – a better world is possible“, „We are the future – our future is feminist“. Ach, und da ist es auch schon, das F-Wort. "Feminismus" – man liebt oder man hasst es. Letzteres, wenn man es immer noch nicht verstanden hat: Feminismus bedeutet Gleichberechtigung. Nicht Männerhass. Als kleiner Gedankenstoß: Der Aufstieg der Frau bedeutet nicht den Absturz des Mannes.

Mittlerweile haben das wohl etliche Männer verstanden, eine beträchtliche Vielzahl läuft Seite an Seite mit Freund*innen, Partner*innen, oder auch alleine. Als Zeichen der Solidarität. „Men of quality do not fear equality“ heißt es auf dem Schild eines Teilnehmers. Die Aussage spricht für sich selbst – keine weitere Erklärung nötig.

Innerhalb der Demonstrant*innen herrscht Frieden und Verständnis, die Stimmung ist ermächtigend und wohltuend. Außenstehende Beobachter*innen zucken lieber schnell die Smartphones und filmen das Ereignis. „Berlin – immer so politisch“, denkt sich sicher der/die ein*e oder andere*r. Ein weißer Mann mittleren Alters liest die bunten Schilder und zeigt uns gediegen voller Verachtung den Mittelfinger. Auch ein Statement. Vor allem dafür, dass Bewegungen wie der Women’s March keine heiße Luft darstellen, sondern ernsthaft notwendig sind. Statt zu glotzen oder Filmchen zu drehen, sollte man sich besser dazu aufraffen, selbst mitzulaufen. In der Menge kann man auch tolle Schnappschüsse bekommen.

Ich rufe es an dieser Stelle auch gerne nochmal laut: Wer sich dem Feminismus blind verweigert, hat sich bereits für Sexismus entschieden. Oft ohne eigene Kenntnis darüber. Informiert euch, öffnet euch und redet. Unsere Zukunft ist weiblich, sie ist männlich, oder geschlechterlos. Aber vor allem: sie ist gleichberechtigt.

Equality für alle. Foto: Kai Hermann / Noizz.de

Quelle: Noizz.de