Dutzende von Frauen teilten auf einem Instagram-Account ihre Erfahrungen mit sexueller Gewalt durch einen mutmaßlichen Täter aus der wohlhabenden Elite Ägyptens – und schafften es so die #MeToo-Bewegung wieder aufleben zu lassen. Der Aufschrei ist in seiner Intensität in dem zutiefst konservativen Land beispiellos.

Frauen in Ägypten werden auf offener Straße angestarrt, Männer streifen sich im Vorbeigehen an ihren Körpern, sie werden verfolgt und betatscht. Wie die Journalistin Dina Elshinnawi in einer "Vice"-Reportage zeigt, werden die Anklagen der Frauen bisher meist nicht ernst genommen, die patriarchalische Kultur, die laut "Vice" von muslimischen Klerikern und gewöhnlichen Familien gleichermaßen durchgesetzt wird, sucht die Schuld stattdessen bei den Frauen selbst oder nimmt sie zumindest nicht ernst. Obwohl es ein Gesetz gegen sexuelle Gewalt gibt, müssen Männer bisher meist keine Folgen fürchten. Frauen werden unter Druck gesetzt, keine Anzeige aufzugeben.

"Jeden Tag, wenn du dein Haus in Ägypten verlässt, schaust du dich an und denkst: Wie kann ich heute weniger [wie eine] Frau aussehen? Du hoffst nur, dass dich heute niemand berührt", so die ägyptische Schriftstellerin und Aktivistin Sabah Khodir (29) gegenüber "Vice".

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Digitale Frauenrechtsbewegung auf Instagram macht Hoffnung

Jetzt scheint es zum ersten Mal seit Langem richtige Hoffnung am Horizont zu geben – und dabei begann alles auf Instagram: Vor einem Monat startete Khodir auf der sozialen Plattform den Account "Assault Police" als Raum für Frauen und Mädchen, die vermeintlich sexuelle Übergriffe durch Ahmed Bassam Zaki, einem 22-jährigen College-Studenten aus einer elitären, gut vernetzten Familie, erfahren haben. Viele gaben an von Zaki sexuell belästigt, erpresst bis hin zu vergewaltigt worden zu sein. In Story und Screenshots teilten die Betroffenen Ausschnitte aus Konversationen und Sprachnachrichten mit Zaki – und lösten so eine Art digitale Bewegung für ägyptische Frauen und Mädchen aus.

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Können Frauen sexuelle Gewalt in Zukunft melden – ohne Angst vor Konsequenzen zu haben?

Zum ersten Mal beziehen staatlichen und religiösen Behörden eine entschlossenere Haltung. Mindestens 13 Personen haben Zadir bislang bei den Behörden angezeigt. Am 4. Juli wurde Zaki verhaftet. Während seine Untersuchung weitergeht, haben fast 500 weitere Frauen dem Nationalen Frauenrat sexuelle Gewalt gemeldet. Der Gesetzgeber hat zwei Änderungen des Strafgesetzbuches verabschiedet, die (theoretisch) garantieren, dass eine Frau sexuelle Gewalt sicher melden kann, ohne sich über die Auswirkungen etwa auf ihre Familie Gedanken machen zu müssen.

Es bleibt allerdings abzuwarten, wie ernsthaft diese Änderungen wirklich durchgesetzt werden. Nach massiven Drohungen ist der Account "Assault Police" mittlerweile deaktiviert.

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  • Quelle:
  • Noizz.de