Ein AfD-Mitglied täuschte 2019 einen Überfall auf die eigene Wohnung durch eine linke Gruppe vor. Die Inszenierung – samt Schüssen – war jedoch so schlecht, dass er entlarvt wurde und jetzt zahlen muss. Doch war er überhaupt schuldfähig?

Das wahr wohl eher ein Schuss ins eigene Bein. Ein 26-Jähriger Hamburger hat vor dem Amtsgericht Harburg eine Tat gebeichtet, die er selbst als "groben Unfug" bezeichnet – seine Beweggründe dafür aber nicht nennt. Das berichtete zunächst die "Hamburger Morgenpost".

Flugblätter mit Drohungen

In der Nacht des 6. September 2019 wählte der Mann, damals noch Mitglied der AfD, den Notruf und behauptete unter Tränen, er wäre in seiner Wohnung überfallen worden: Die Täter hätten Flugblätter von der "Antifa Ost" mit Drohungen gegen Mitglieder der AfD hinterlassen. Wie er jetzt zugibt: alles ausgedacht. Seinen Anwalt ließ er ausrichten, dass er die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft in vollem Umfang einräume.

Die Schüsse gab er selbst ab

Der Mann hatte in der angeblichen Tatnacht sogar von Schüssen geredet, die die Eindringlinge abgegeben hätten, so wie von Gegenständen, die auf seiner Terrasse in Brand gesetzt wurden. Nun steht fest: Der Mann hatte die Droh-Flugblätter selbst erstellt und die Schüsse stammten aus seiner eigenen Schreckschusspistole. Der gesamte Überfall: ein einziger Fake.

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Wegen Vortäuschens einer Straftat und Missbrauchs von Notrufen wurde der Mann, der Sozialhilfe empfängt, nun zu einer Geldstrafe von 700 Euro (70 Tagessätze à 10 Euro) verurteilt. Der Amtsrichter konnte eine verminderte Schuldfähigkeit nicht ausschließen, da der Verurteilte unter einer psychischen Erkrankung leide und Alkoholiker sei. Aus der AfD ist der Mann inzwischen ausgetreten.

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  • Quelle:
  • Noizz.de