Ist Grau das neue Braun?

"Wir könnten da mal was machen", witzelte ein AfD-Mitglied auf einer Landesvorstandssitzung in Brandenburg. Gemeint ist die Aussage von AfD-Politiker Alexander Gauland, der nach der Bundestagswahl 2017 angekündigt hatte, Kanzerlin Angela Merkel "jagen" zu wollen.

Laut dem neuen T-Shirt, dass die Brandenburger Jugendorganisation der AfD jetzt drucken ließ und auf das als erstes das Online-Magazin bento am Dienstag aufmerksam machte, will sie jetzt ernst machen:

"Merkel Jagd Club" steht auf einem grauen Shirt, im Hintergrund kreuzen sich zwei Pistolen, eine Dackelsilhouette in der Mitte, links und rechts jeweils eine Kornblume.

Auf einer Landesvorstandssitzung der Jungen Alternative – kurz: JA – war Gaulands extremer Merkel-Jagd-Spruch wieder auf der Tagssordnung. Schon damals zeigten sich auch viele Parteianhänger empört, sogar für die damalige AfD-Sprecherin Frauke Petry war die Rhetorik zu aggressiv.

Die JA entschied sich kurzerhand, nochmal Öl ins Feuer zu gießen: "Wir mussten gucken, wo wir schnell viele günstige Shirts drucken lassen konnten", sagt Dennis Hohloch, Vorsitzender der JA in Brandenburg, zu NOIZZ.

Unterhalb des Logos steht in romantischer Schnörkelschrift: "Eine wilde verwegene Jagd."

Das soll – laut seinen Machern – angelehnt an Theodor Körners sechsstrophiges Gedicht "Lützows wilde Jagd" sein, das – laut Wikipedia – Anfang des 19. Jahrhunderts schnell zu einem beliebten Soldatenlied wurde.

Die fünfte Strophe geht so: "Unter tausend Feinde gebettet. / Es zuckt der Tod auf dem Angesicht, / Doch die muthigen Herzen erzittern nicht, / Das Vaterland ist ja gerettet! / Und wenn Ihr die schwarzen Gefallenen fragt: / Es ist Lützows wilde verwegene Jagd."

Ein Schelm, wer Paralellen zum JA-Shirt zieht

Über das Design sei im "Plenum" entschieden worden und "irgendjemand" sei auf die Idee mit dem Shirt gekommen, so Dennis Hohloch gegenüber NOIZZ.

Die Kornblume gilt auch als Nazi-Symbol, in Österreich wurde sie als geheimes Erkennungszeichen verdeckter Nazis in den 30er Jahren getragen, als alle anderen Symbole verboten waren – ein Schelm, wer Paralellen zum AfD-Shirt zieht.

Das findet zumindest der JA-Brandenburg-Vorsitzende Hohloch. Er bemüht eine andere Interpretation: "Die Kornblume war vor allem im 19. Jahrhundert ein Symbol für Freiheit und Einheit. Daran sehen wir nichts Schlimmes, es ist schließlich nur eine Metapher."

"Die Jagdsaison hat begonnen", teasert die AfD-Jugend jetzt

Die ersten 25 Exemplare des T-Shirts seien laut AfD zunächst nur für den internen Gebrauch bestimmt. Nachdem die rechtspopulistische Gruppe ein Foto des Kleidungsstücks auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichte, habe es dort einen – so Hohloch – "überwältigenden Ansturm" von Sympathisanten gegeben. Deshalb sollen jetzt noch mehr von den T-Shirts hergestellt werden.

Am Mittwoch hat die JA auf ihrer Facebook-Seite den Bento-Artikel über das T-Shirt geteilt – mit einem nicht minder problematischen Teaser: "Die Jagdsaison hat begonnen."

Das Gauland-Statement, das Körner-Gedicht, die Nazi-nahe Kornblumen-Symbolik – alles soll gar nicht so gemeint gewesen sein.

AJ-Mann Hohloch sagt, in der AfD-Jugend würde man Gaulands Aussage – "Wir werden Merkel jagen" – verteidigen. Man wolle darstellen, wie "konstruiert und übertrieben" die ganze Diskussion um die Aussage von Rechtsaußen sei.

Kreuzen sich die zwei Waffen auf dem T-Shirt, um dem Gesagten noch ein bisschen mehr Nachdruck zu verleihen? Eine Drohung?

Hohloch: "Waffen und Dackel sind typische Symbole für die Jagd. Man darf das natürlich nicht wortwörtlich nehmen." Die Junge Alternative wolle niemanden erschießen. Und sie heiße es auch nicht für gut, wenn Waffen genutzt würden.

Naja, vielleicht ist ja auch einfach nur der Layouter "mausgerutscht" – ganz so wie bei der "erwachsenen" AfD.

Quelle: Noizz.de