In dieser "Hass-Kloake" wird weder kontrolliert, noch gelöscht.

Bei zwei Schießereien binnen 13 Stunden gab es in den USA 30 Todesopfer und Dutzende Verletzte. Der Mann, der am Samstag in einem Einkaufszentrum im texanischen El Paso um sich schoss und 20 Menschen tötete, ein 21-jähriger Weißer aus der Nähe von Dallas, wurde von der Polizei festgenommen.

Er soll Ermittlern zufolge ein "Manifest" hinterlassen haben, das auf rassistische Motive hindeute. Wenige Stunden später kam es in Dayton im Bundesstaat Ohio zu einem weiteren Massaker, bei dem neun Menschen getötet und mindestens 16 Menschen verletzt wurden. Der Angreifer wurde von einer Polizeipatrouille, die zufällig in der Nähe des Tatortes war, erschossen.

El Pasos Polizeichef Greg Allen zufolge gibt es Hinweise auf ein Hassverbrechen. Der Tatverdächtige soll auf 8chan, einem bei Extremisten beliebten Online-Portal, den Angriff als "Antwort auf die hispanische Invasion in Texas" bezeichnet haben. Auch wird Unterstützung für den Schützen ausgedrückt, der im März 51 Menschen in zwei Moscheen in Christchurch (Neuseeland) getötet hatte. 

Was ist 8chan?

Die umstrittene Online-Plattform 8Chan ist am Montag weitgehend offline gegangen. Zuvor hatte der IT-Sicherheitsdiensleister Cloudflare, der unter anderem Websites vor Cyberangriffen schützt, die Geschäftsbeziehung zu 8Chan gekündigt. Die Plattform habe sich zu einer "Hass-Kloake" entwickelt, schrieb Cloudflare-Chef Matthew Prince in einem Blogeintrag. Einer der Grundsätze von 8Chan ist, dass die Betreiber die von Nutzern geposteten Inhalte nicht kontrollieren oder löschen. Das lockt unter anderem Rassisten auf die Plattform.

Wozu braucht 8chan Cloudflare?

Nachdem 8Chan den Schutz durch Cloudflare verlor, war die Seite zeitweise gar nicht erreichbar oder Links liefen ins Leere. Cloudflare-Chef Prince schränkte zugleich ein, dass es vermutlich nicht allzu lange dauern werde, bis 8Chan einen anderen Anbieter finde und den Dienst wieder komplett hochfahren könne. Das sei auch passiert als Cloudflare 2017 den Schutz der Neonazi-Website Daily Stormer aufgegeben habe.

Cloudflare versucht grundsätzlich, sich aus der Debatte um Inhalte von Plattformen herauszuhalten - Prince erklärt, er wolle nicht derjenige sein, der entscheidet, was im Internet veröffentlicht werden darf. Im Fall von 8Chan (die "8" steht für das Unendlichkeits-Symbol) verwies er aber nun darauf, dass auch der Todesschütze von Christchurch, der Mitte März zwei Moscheen angegriffen und 51 Menschen getötet hatte, die Plattform genutzt habe.

8Chan-Gründer Fredrick Brennan setzte 2013 als eine Neuauflage des zuvor ebenso ungezügelten Online-Forums 4Chan fort, das damals erste Grenzen für Inhalte einzog. Ihm schwebte eine Plattform vor, wo jegliche - legale - Ansichten willkommen wären, unabhängig davon, wie "toxisch" sie wären, sagte Brennan der "New York Times".

Am Ende wurde 8Chan zum Sammelbecken für Ansichten, für die man bei anderen Plattformen verbannt wird: Hass, Hetze, Rassismus, Antisemitismus, Schwulenfeindlichkeit. Brennan gab die Kontrolle über 8Chan bereits 2015 auf und distanzierte sich davon. "Macht die Website dicht. Sie bringt der Welt nichts Gutes", sagte er.

Inzwischen wird 8Chan von den Philippinen aus vom Amerikaner Jim Watkins betrieben. Er selbst sei kein Anhänger der These von der Überlegenheit der weißen Rasse, sagte Watkins 2016 der Website "Splinter". Aber er habe auch kein Problem damit, dass diese Leute auf 8Chan präsent seien. "Sie haben Gründe für ihre Überzeugungen. Ich muss diese Überzeugungen nicht rechtfertigen."

Wie steht es aktuell um 8chan?

Die umstrittene Online-Plattform ist auch weiterhin kaum online. Der Grund ist ein Boykott von Internet-Dienstleistern, deren Service für das Funktionieren einer Website notwendig ist. Dabei bekommen auch Firmen Probleme, die 8Chan ihre Dienstleistungen anbieten.

Nach Beendigung der Zusammenarbeit mit Cloudflare wechselte 8Chan zum Konkurrenzdienst BitMitigate, der zum Web-Dienstleister Epik gehört. Unter den Kunden von BitMitigate war bereits unter anderem die Neonazi-Website Daily Stormer. Doch Epik konnte 8Chan nicht lange unterstützen: Epik betreibt nämlich kaum eigene Server, sondern mietet diese beim Cloud-Anbieter Voxility an, der Epik prompt kündigte.

Wie unter anderem der Webexperte und frühere Facebook-Sicherheitschef Alex Stamos feststelle, mietet sich Epik nun Server unter anderem bei Amazons Clouddienst AWS.

[Text: Zusammen mit dpa]

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Quelle: Noizz.de