Die so wichtige Gegenbewegung, die Pro-Anorexie- und Bulimie-Werbung enttarnt.

Wenn du ein eher niedriges Selbstwertgefühl hast, deiner eigenen Wahrnehmung nicht richtig vertraust und stark unsicher sowie super unzufrieden damit bist, wie dein Körper aussieht und sich anfühlt, ist Social Media eigentlich selten der sichere Ort, damit du nicht noch tiefer in diesen für deine eigene Gesundheit und dein eigenes Glück gefährlichen Strudel aus Selbstzweifeln, Selbstzerstörung und Selbsthass reinrutscht.

Auf Instagram gibt es jetzt aber eine immer größere Gruppen von jungen Leuten, die sich von ihren Essstörungen mithilfe von Therapien und unterschiedlichen Tools erholt haben und Tipps für die Genesung in bewegenden und praktischen Videos und Statements auf der Selfie-Plattform teilen. Damit wehren sich die ehemals Betroffenen gegen die nach wie vor erschreckend hohe Anzahl an Accounts, die junge Erwachsene, Jugendliche und sogar Kinder gezielt in die Bulimie und Magersucht treiben.

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Besonders schlimm war dieses mitunter tödlich endende Phänomen der sogenannten "Thinspiration" zwischen 2007 und 2011, als plötzlich online Foto- und Ästhetik-lastige Plattformen wie Pinterest, Tumblr, and Instagram parallel existierten – ohne feste Richtlinien und ohne Kontrolle der Inhalte. 2012 verschärften ebendiese drei Plattformen ihr Regelwerk mit dem Verbot von Bildern, Hashtags, Threads, die für Essstörungen werben. Mit mäßigem Erfolg – zwar ist die Anzahl derartiger Beiträge auch danke der Meldefunktion gesunken. Trotzdem konnte das tiefgreifende Probleme bislang nicht komplett eingedämmt werden.

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Genau dafür setzen sich aktuell aber immer mehr InfluencerInnen ein, die ihre persönliche Krankheits- und Genesungsgeschichte auf Instagram und YouTube öffentlich machen, nicht, um dafür zu werben – sondern um eindringlich davor zu warnen und Hilfsangebote aufzuzeigen.

Die Videos ähneln sich mit denen auf gewöhnlichen Channels, haben aber einen empowering vibe und zeigen eigens erprobte Lösungen auf – mit Hinweis darauf, dass das Anschauen dieser Videos natürlich kein Beratungsgespräch und keine professionelle Hilfe ersetzt. Es gibt "What I Eat Day"-Videos, Beziehungs-Talks, Rating der eigenen Erfahrungen und Einblicke in unterstützende Strategien für Momente, in denen die Essstörung einen mehr im Griff hat.

Die Reaktionen sind oft überwältigend positiv. Die Fans identifizieren sich mit den Body-positiven Influencern, stellen ihren Idolen zu liebe sogar ihre Ernährung um und kümmern sich um einen Klinikplatz. Die Zahlen bestätigen den Eindruck: Der Hashtag #eatingdisorderrecovery hat mehr als zwei Millionen Einträge auf Insta (Stand 4. Juli 2019). Es gibt sogar einige Fan-Accounts für die Recovery-Blogger – so wie bei Standard-Stars wie Selena Gomez oder Skandal-YouTuber Logan Paul.

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Und: Die Community wächst über das Internet hinaus. Viele like-minded Influencer treffen sich irgendwann auch außerhalb ihres Accounts im echten Leben und unterstützen den Heilungsprozess der jeweils anderen Person.

Wir finden: Toll, wie diese starken Menschen ihren Einfluss nutzen, um anderen Menschen zu helfen, die sich noch am Anfang ihrer Genesung befinden. Mehr davon!

Quelle: Noizz.de