Whistleblower Thomas le Bonniec gab vor über einem Jahr zu, als Mitarbeiter von Apple Tausende privater Sprachnachrichten von Nutzern abgehört zu haben. Nun prangert er den Megakonzern in einem offenen Brief an die europäischen Datenschutzkonzerne an.

Sein Job bestand darin eigenen Angaben nach, täglich Hunderte Sprachnachrichten von Nutzer*innen abzuhören, zu transkribieren und anhand der Aufnahmen zu einer Verbesserung der App Siri beizutragen: Thomas Le Bonniec war Mitarbeiter des Apple-Subunternehmers Globe Technical Services und trat vergangenes Jahr als Whistleblower an die Öffentlichkeit. Im Gespräch mit "The Guardian" enthüllte er einen Datenschutz-Skandal von Apple, denn: Viele dieser Gespräche wurden aufgezeichnet, ohne dass die Nutzer*innen Siri überhaupt aktiviert hatten, geschweige denn, dass sie über das Abhören informiert wurden. Unter anderem ging es dabei um persönliche, medizinische und gesundheitliche Themen, oder auch Sex – Informationen, die man wildfremden Menschen in Megakonzernen unter keinen Umständen geben möchte.

Whistleblower packt aus: Apple hört alles ab

"Das System zeichnete alles auf: Namen, Adressen, Nachrichten, Suchen, Auseinandersetzungen, Hintergrundgeräusche, Filme und Gespräche. Ich hörte Leute über ihren Krebs sprechen, wie sie sich auf tote Verwandte, Religion, Sexualität, Pornografie, Politik, Schule, Beziehungen oder Drogen bezogen, ohne dass sie die Absicht hatten, Siri überhaupt zu aktivieren", erklärte le Bonniec damals. Apple hatte das Programm danach einstellen müssen und sich entschuldigt, ungefähr zur gleichen Zeit, als sich auch Warenhändler Amazon dafür rechtfertigen musste, auf ähnliche Weise Daten mit ihrem Home-Assistenten Alexa gesammelt zu haben. Aber ist es wirklich eingestellt?

Le Bonniec hat sich nun erneut an die Öffentlichkeit gewandt und behauptet das Gegenteil. Mit einem offenen Brief an die europäischen Datenschutzkonzerne prangert er Apple an, "die komplette Bevölkerung abzuhören".

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Tim Cook bei der Präsentation neuer Apple-Geräte. Leider hält das wertvollste Privatunternehmen der Welt genau so wenig von Datenschutz, wie Amazon, Facebook und die anderen Riesen der Branche.

"Es ist besorgniserregend, dass Apple (und zweifellos nicht nur Apple) weiterhin Grundrechte ignoriert und verletzt und die massive Datensammlung fortsetzt", schreibt er dort weiter. Das Problem ist seiner Meinung nach nicht nur die Tatsache, dass heimlich abgehört wird, sondern sind auch die Regierungen, die entsprechende Verletzungen der Grundrechte nicht genug bestrafen und verfolgen.

Datenschutz in Europa: ein Ammenmärchen

"Ich bin äußerst besorgt darüber, dass große Technologieunternehmen im Grunde genommen ganze Bevölkerungsgruppen abhören, obwohl den europäischen Bürgern mitgeteilt wird, dass die EU eines der strengsten Datenschutzgesetze der Welt hat. Die Verabschiedung eines Gesetzes ist nicht gut genug: Es muss vor allem gegen Firmen, die den Datenschutz verletzen durchgesetzt werden", so le Bonniec.

Nichts sei seit seinen Enthüllungen passiert. "Es gibt keinen Beweis und keine Meldung von Apple, dass sie das Programm mittlerweile eingestellt haben. Ganz im Gegenteil, private Quellen haben mir mitgeteilt, dass es immer noch laufe – unverändert." Eine solide polizeiliche Ermittlung habe es seiner Auffassung nach auch noch nicht gegeben.

Apple selbst hat sich zum offenen Brief bislang nicht geäußert.

Quelle: Noizz.de