Die EU-Kommission verlangt über zwei Milliarden Euro vom Internet-Riesen.

Das Wort „googeln“ steht im Duden, Google ist der Inbegriff der Internetsuche. Knapp 90 Prozent der Suchanfragen aus Europa laufen über Google. Doch diese Monopolstellung soll das Unternehmen missbraucht haben. Die EU-Kommission hat Google zu einer Rekordstrafe von 2,42 Milliarden Euro verurteilt. Der Internet-Riese habe „seine marktbeherrschende Stellung als Suchmaschinenbetreiber missbraucht“, sagte die zuständige Kommissarin Margrethe Vestager am Dienstag in Brüssel.

Worum geht's genau?

Google ist eine Suchmaschine – so weit, so einfach. Doch genau diese vermeintlich leichte Definition kommt das Unternehmen nun teuer zu stehen. Denn als Suchmaschine müsste Google alle Suchergebnisse gleichberechtigt anzeigen. Allerdings werden eigene Dienste bevorzugt dargestellt. In der Untersuchung der Kommission ging es speziell um „Google Shopping“. Bei der Suche nach Klamotten zeigt Google die Ergebnisse der eigenen Shopping-Suche am prominentesten an.

Google präsentiert die Suchergebnisse von „Google Shopping“ als erstes Foto: Google / Screenshot

Die EU-Kommission untersuchte laut eigenen Angaben über mehrere Jahre fast 5,2 Terabyte Daten, dies entspreche 1,7 Milliarden Suchanfragen. Das Verfahren lief bereits seit 2010.

Wie reagiert Google?

Das Unternehmen erklärte in einer ersten Reaktion, man sei nach wie vor anderer Meinung in dem Fall und prüfe eine Berufung. „Wenn man online einkauft, will man die Produkte, die man sucht, schnell und einfach finden.“ Bereits im Herbst hatte Google in einem Blogeintrag erklärt: „Das ist keine Bevorteilung, sondern wir hören unseren Kunden zu“. Die Argumentation der Brüsseler Behörde sei faktisch, rechtlich und wirtschaftlich falsch.

Welche politischen Auswirkungen könnte das Urteil haben?

Das Verfahren ist nur eines von dreien, in denen die EU-Kommission Google vorwirft, den Wettbewerb zu verzerren. Beide Seiten hatten lange versucht, den Streit im gegenseitigen Einvernehmen beizulegen. Die Angelegenheit hatte auch zu Spannungen im Verhältnis zwischen der EU und den USA geführt. Eine hohe Strafe gegen Google könnte nun den Zorn von US-Präsident Donald Trump heraufbeschwören, dessen Wirtschaftspolitik dem Wahlspruch „America First“ (Amerika zuerst) folgt. Bislang hat Trump aber noch nicht auf das Urteil reagiert.

Deutsche Politiker begrüßten die Strafe:

Was passiert mit der Kohle?

Das Bußgeld fließt in den EU-Haushalt, aus dem u.a. regionale Förderprojekte und die gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union finanziert werden. Die Geldbuße ist mehr als doppelt so hoch wie die bislang höchste Kartellstrafe von 1,06 Milliarden Euro, die die europäischen Wettbewerbshüter 2009 dem Chipkonzern Intel aufgebrummt hatten. Die EU-Kommission verlangt, dass Google das beanstandete Verhalten innerhalb von 90 Tagen abstellt. Sonst drohen Zwangsgelder von bis zu 5 Prozent des durchschnittlichen weltweiten Tagesumsatzes seiner Muttergesellschaft Alphabet.

Quelle: dpa