Warum ist der Ausbruch des Corona-Virus in Italien so stark? Die Frage stellt sich schnell, wenn man sich die aktuelle gesundheitliche Lage des Landes anschaut und den Medienberichten lauscht, die von zahlreichen Toten, Quarantäne und abgeriegelten Städten berichten.

Gerade mal 20 Tage liegt es zurück, dass sich in Italien der erste Covid-19 erkrankte Patient mit den Grippesymptomen gepaart mit Fieber und Atembeschwerden in der Region Lombardei in der Notaufnahme gemeldet hat. Mittlerweile überschlagen sich die Zahlen und es gibt fast minütlich Updates zu den Corona-Infizierten in Italien. Doch warum trifft es ausgerechnet dieses Land so sehr?

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Der unbekannte Patient Null

Der erste Grund für die eskalierende Corona-Lage Italiens ist, dass der erste Patient aber nicht erst vor zwanzig Tagen mit dem Virus in Berührung kam, sondern, dass es schon Mitte Januar in Italien aufgetaucht sein muss. Massimo Galli, Professor für Infektionskrankheiten an der Universität Mailand, und sein Team sind sich mittlerweile sehr sicher, dass das Virus schon viel länger in Italien kursiert. Zu dem vermuteten Zeitpunkt, Mitte/Ende Januar, ist der Ursprungsort Wuhan noch recht sparsam mit Informationen umgegangen und insbesondere eine internationale Bedrohung wurde zu diesem Zeitpunkt nicht erkannt. Da das Coronavirus im Großteil der Fälle unproblematisch verläuft und symptomatisch einer Grippe gleicht, geht man von mehreren nicht oder falsch diagnostizierten Fällen aus, genauso wie von Zwischenwirten, bei denen sich das Virus gar nicht bemerkbar machte. Das Covid 19 überlappt sich auch zeitlich mit der alljährlichen Grippewelle in Europa.

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Dass der Norden des Landes besonders betroffen ist, lässt sich auf Italiens Wirtschaftsstruktur zurückführen, denn die nördliche Region ist international vernetzt, betreibt viel Handel mit China. Es ist insbesondere auch der Teil des Landes, wo viele Unternehmen ihren Sitz haben und internationale Kontakte pflegen. Innenpolitisch ist diese Disparität zwischen Nord- und Süditalien auch immer wieder Grund für Kontroversen und Diskussionen. Ferner führt Italien nicht nur Handel über den Flugweg, sondern hat im Vergleich zu Deutschland oder Österreich zahlreiche Häfen, die auch für den europäischen Handel eine große Rolle spielen.

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Mehr Tests, höhere Zahlen

So rasch, wie es nun erscheint, breitet sich das Virus also nicht in dem Land aus und als das Problem erkannt wurde, war es bereits schon an stark verbreitet. Laut WHO verhalte sich Italien allerdings vorbildlich und so war das Land auch das erste Europas, das den Flugverkehr nach China einstellte. Die Vorsicht des Landes und die Sensibilität, hat außerdem dafür gesorgt, dass der Corona-Test viel schneller durchgeführt wird, als es zum aktuellen Zeitpunkt in Deutschland der Fall ist. Hier wird der Test erst gemacht, wenn es auch symptomatische Anzeichen gibt, wobei man sich verstärkt auf das Fieber konzentriert. In Italien werden die Tests bereits bei näherem Kontakt zu diagnostizierten oder bei grippalen Symptomen durchgeführt.

Italien ist neben all diesen Punkten auch eines der weltweit attraktivsten Touristen-Ziele und neben der Hauptstadt, gibt es in dem Land auch viele andere kulturelle Hochburgen, die Tausende Menschen in das Land ziehen. Laut Welt-Tourismus-Organisation reisten 2019 insgesamt 64,7 Millionen internationale, touristische BesucherInnen in das Land. Damit belegt Italien in dem globalen Ranking den fünften Platz; nur knapp hinter China und den USA, die zu den größten Ländern der Erde gehören und etwa 32-mal so groß sind, wie Italien.

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Kein Fall im römischen China-Town

Einige Medienberichte sprechen jedoch von einem zu schnellen Fokus auf die ausgeprägte chinesische Community in den italienischen Großstädten. Dass es gerade hier einen großen Austausch mit chinesischen BesucherInnen und möglichen Infizierten gibt, liegt zunächst gar nicht so fern. Doch in den roten Zonen, die mittlerweile auf das ganze Land ausgeweitet wurden, gab es noch keinen einzigen bekannten Fall einer chinesisch-stämmigen Person. Auch in Prato oder den Esquilin-Viertel Roms, das Chinatown der Stadt, hat es noch keinen Corona-Fall gegeben.

Es kommen also viele einzelne Gründe zusammen, die zu der angespannten Situation in Italien führten. Dabei spielt jedoch leider auch Zufall eine Rolle, denn in der internationalen Handelswelt Europas hätte es andere Städte ebenso stark und früh treffen können, wie Mailand. Die Maßnahmen Italiens waren so schnell, wie es die Informationslage zuließ. Es ist nicht zuletzt auch auf die Bevölkerung zu schieben, die vermutlich ähnlich unreflektiert wie in Deutschland, den Leistungsdruck vorantreibt und die Rolle des Zwischenwirts nicht begreifen möchte.

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  • Quelle:
  • Noizz.de