Der Tod eines Vierjährigen soll mehr als 30 Jahre nach dem Verbrechen gesühnt werden. Für das Hanauer Landgericht steht nach einem fast einjährigen Verfahren die Schuld einer 73-Jährigen fest.

Eine mutmaßliche Sekten-Chefin ist vom Hanauer Landgericht mehr als 30 Jahre nach dem Tod eines Vierjährigen wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Gericht sah in seinem Urteil am Donnerstag den Mordvorwurf als erwiesen an. "Es gruselt einen, was um Sie und Ihre Gemeinschaft passiert ist", sagte der Vorsitzende Richter Peter Graßmück. "So etwas haben wir noch nicht erlebt."

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Das Gericht folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Anklage warf der 73-Jährigen vor dem Hanauer Landgericht Mord durch Unterlassen an dem damals Vierjährigem vor und forderte eine lebenslange Haftstrafe. Die Verteidigung plädierte in dem Verfahren auf Freispruch. Sie sieht eine "Hetzkampagne angeblicher Sekten-Aussteiger".

Junge sei Wiedergeburt Hitlers gewesen

Als Motiv sieht die Staatsanwaltschaft, dass die 73-Jährige durch den Tod des Jungen ihre Machtposition habe stärken wollen. Sie habe das Kind als "vom Bösen besessen" bezeichnet. Nach dem Tod habe sie die Eingebung vorgetäuscht, dass Gott das Kind geholt habe. Der Junge sei die Wiedergeburt Hitlers gewesen.

Zeug*innen berichteten in dem seit fast einem Jahr laufenden Verfahren vom strengen Regiment der 73-Jährigen sowie von den Leiden des Jungen und auch anderer Kinder. Wegbegleiter*innen und Aussteiger*innen erzählten von seelischen Grausamkeiten, Gehirnwäsche, psychischer und physischer Gewalt in der Hanauer Gruppe.

Mutter des getöteten Jungen auf Seite der Angeklagten

Rückendeckung bekam die Angeklagte im Prozess von der Mutter des getöteten Jungen. Diese gab an, dass die frühere Krankenschwester liebevoll mit den Kindern umgegangen sei. "Sie ist wie eine Schwester und gute Freundin für mich", sagte die Zeugin. Die Angeklagte kann nur wegen Mordes verurteilt werden. Alle anderen Straftatbestände wären verjährt.

[Text zusammen mit: dpa]

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  • Quelle:
  • Noizz.de