Ein 29-jähriger Japaner hat vor einem Gericht in Tokio neun Morde gestanden. Der als "Twitter-Killer" bekanntgewordene Takahiro Shiraishi hatte Menschen mit Suizid-Gedanken über die Social-Media-Platform zu sich nach Hause gelockt und dort ermordet. Ob es sich um Tötung auf Verlangen oder Mord handelt, wird jetzt diskutiert.

Nach einer Reihe an Morden in Japan hat sich ein 29-jähriger Mann als schuldig bekannt. Vor einem Gericht in Tokio gab Takahiro Shiraishi zu, 2017 neun Menschen über Twitter kennengelernt und zu Hause ermordet und zerstückelt zu haben. Die Vorwürfe gegen ihn seien "alle korrekt", teilte der Japaner dem Gericht mit.

"Twitter-Killer" lauerte gefährdeten Menschen online auf

Den Staatsanwalt*innen zufolge richtete Shiraishi 2017 ein Twitter-Account ein "um Frauen mit Suizid-Tendenzen, die er als einfache Ziele ansah, zu kontaktieren". Laut "Dazed" schrieb er in seinem Profil: "Ich möchte Menschen helfen, die sehr stark leiden. Bitte schickt mir jederzeit eine Direktnachricht."

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Der 29-Jährige lockte Opfer zu sich, in dem er ihnen erzählte, er würde ihnen beim Selbstmord helfen, oder zusammen mit ihnen Selbstmord begehen. Daraufhin ermordete und zerstückelte der "Twitter-Killer" sie in seinem Apartment in Zama, eine Stadt südlich von Tokyo. Die Leichenteile und Knochenstücke lagerte Shiraishi in Gefriertruhen und Werkzeugkisten. Die Polizei machte den düsteren Fund am 31. Oktober 2017, als sie in Shiraishis Wohnung nach einer vermissten Frau suchten.

Insgesamt hat der 29-Jährige neun Menschen ermordet. Acht waren Frauen, die Shiraishi auch sexuell missbraucht haben soll. Der "Twitter-Killer" ermordete außerdem einen Mann, der Shiraishi nach dem Verschwinden seiner Freundin konfrontierte. Die Opfer waren alle zwischen 15 und 26 Jahre alt.

Tötung auf Verlangen oder Mord?

Da Shiraishi nur Menschen mit Suizid-Tendenzen kontaktiert hatte, argumentiert nun seine Verteidigung, es handle sich bei dem Verbrechen um Tötung auf Verlangen anstelle von Mord. Wichtig ist hierbei die Frage von Konsens. Wenn das Gericht entscheiden sollte, die Opfer hätten ihren Tod eingewilligt, müsste der Japaner nur zwischen 6 Monate und 7 Jahre lang in Haft. Bei einem Mordurteil könnte er die Todesstrafe bekommen.

Dabei hat Shiraishi selbst in der Lokalzeitschrift "Mainichi Shimbun" behauptet, ohne Konsens Menschen ermordet zu haben, berichtet "BBC". Die Opfer hätten "blaue Flecken am Kopf" gehabt, sagte der Japaner, demnach "gab es keine Zustimmung". Ein Urteil wird Mitte Dezember erwartet.

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Japans Reaktion nach Serienmord

Nach den Morden gab es 2017 in Japan eine Welle an Debatten über die Sicherheit von Webseiten, auf denen Themen wie Suizid besprochen werden. Damals hatte die japanische Regierung überlegt, gewisse neue Regulierungen einzuführen.

Auch Twitter reagierte auf das Verbrechen. Der CEO Jack Dorsey sagte in einem Interview mit "NHK", die Situation sei "unglaublich traurig", "man muss dafür Verantwortung übernehmen". Danach wurde im Februar 2018 eine neue Funktion eingeführt, mit der man Tweets, Nachrichten oder Profile melden kann, die andere zur Selbstverletzung antreiben.

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Der Fall sorgt weiterhin in Japan für großes Interesse. Laut Spiegel standen mehr als 600 Menschen Schlange, um einen der nur 13 Zuschauerplätze im Saal des Gerichtsgebäudes für sich zu ergattern.

NOIZZ berichtet in der Regel nicht über Selbsttötungen, um keinen Anreiz für Nachahmung zu geben – außer, Suizide erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit.

Wenn du selbst depressiv bist, Suizid-Gedanken hast, kontaktiere bitte umgehend die Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de).

Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhältst du Hilfe von Beratern, die Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

  • Quelle:
  • Noizz.de