Die Waldbrände in Tschernobyl kamen dem Unglücksreaktor gefährlich nahe, der vor über dreißig Jahren explodierte. Umweltschützer befürchten nun, dass das Feuer radioaktive Partikel freigesetzt haben könnte.

Tschernobyl – der Name dieser ukrainischen Stadt wird als Synonym für eine Katastrophe verwendet. Um nicht zu sagen – die Katastrophe. Vor 34 Jahren explodierte dort der Reaktor-Block 4 des Kernkraftwerks nahe der Stadt Prybjat. Seitdem ist das Gebiet radioaktiv verstrahlt und eine Sperrzone.

Große Fläche in Tschernobyl brannte ab

Am vergangenen Sonntag, den 26. April, jährte sich das Unglück. Und wieder wurde die gebeutelte Regionen einem Unglück heimgesucht: Denn nur wenige Kilometer vom Katastrophenort entfern, brannten die Wälder lichterloh. Knapp drei Wochen schafften die Einsatzkräfte es nicht, den gefährlichen Waldbrand zu löschen. Mehr als 11.000 Hektar Wald – eine Fläche von rund 11.000 Fußballfeldern – seien abgebrannt, meldeten ukrainische Behörden. Umweltschützer gehen von einer größeren Fläche aus.

Mit jedem Tag, an dem die Feuer nicht gelöscht werden konnten, stieg das Unbehagen – die Flammen rückten dem Katastrophenort immer näher. "Das Feuer kam direkt zum Zaun des Atomkraftwerks, Gras und Büsche brannten, das ganze AKW war von Rauch umhüllt", sagte Jarowslaw Jemeljanenko, der Touristenführungen im Sperrgebiet organisiert, dem Spiegel. Alle radioaktiven Abfälle seien jedoch geschützt. Der Reaktor befindet sich unter einer massiven Kuppel, einem sogenannten Sarkophag, aus Stahl und Beton.

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Angst vor radioaktiven Stoffen

Obwohl der Unglücksreaktor selbst geschützt ist, machen sich Umweltschützer Sorgen. Sie befürchten, dass die Flammen radioaktive Stoffe aus dem verseuchten Waldboden freisetzen. Auch Jameljanenko sagte dem Spiegel: "Natürlich setzt der Brand Radionuklide frei, die in den Pflanzen gespeichert sind. Aber mein Dosimeter zeigte keine kritische Erhöhung an. Einatmen will man das nicht, aber für die umliegenden Bezirke sehe ich keine Gefahr."

Die leicht erhöhte Strahlung sei laut Experten wohl keine Bedrohung

Dass durch die Brände jedoch radioaktive Partikel freigesetzt wurden, die beim Einatmen Krankheiten auslösen könnten, das befürchten vor allem die Bewohner der Stadt Kiew. Die Millionenstadt liegt nur knapp 70 Kilometer von der Sperrzone entfernt. Während des Feuers trieb starker Wind eine dichte Rauchwolke in die Stadt. Kiews Bürgermeister, der ehemalige Profi-Boxer Vitali Klitschko, schrieb auf Facebook zwar Folgendes: "In Kiew gibt es nur Rauch, keine Radioaktivität". Doch den offiziellen Informationen traut in der Stadt kaum jemand. Zu präsent sind noch die Fehlinformationen von 1986.

Vitali Klitschko

Deutschland schickte Hilfe

Deutschland unterstützt den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. So schickte die Bundesregierung etwa Messgeräte für Radioaktivität, Feuerwehrschläuche und Löschfahrzeuge. Insgesamt habe die Hilfe einen Wert von 230.000 Euro, teilte die deutsche Botschaft in Kiew mit.

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Quelle: Noizz.de