User mit Handicap? Einfach unsichtbar machen.

Sie werden diskriminiert – um nicht diskriminiert zu werden. Eine Recherche des Mediums "Netzpolitik.org" hatte aufgedeckt, wie interne Moderationsregeln der chinesischen Plattform Tik Tok bestimmte Menschen gezielt in ihrer Reichweite beschränken. Jetzt hat ein Firmensprecher die diskriminierende Praxis zugegeben – und sie als falsch bezeichnet.

Tik Tok hatte laut der Recherche von Chris Köver und Markus Reuter seine Moderatoren angewiesen, Videos von Menschen mit Behinderungen zu markieren und in ihrer Reichweite zu begrenzen. "Als Reaktion auf eine Zunahme von Mobbing in der App haben wir frühzeitig eine unbeholfene und zeitlich befristete Regelung umgesetzt", sagte ein Firmensprecher dem US-Portal "The Verge". "Unsere Absicht war gut, wir haben aber einen falschen Ansatz gewählt." Die frühere Regelung sei inzwischen längst "zugunsten nuancierterer Anti-Mobbing-Verfahrensweisen und Schutzmaßnahmen innerhalb der App geändert" worden.

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Nach dem Bericht von Netzpolitik.org landeten auch homosexuelle und dicke Menschen auf einer Liste von "Besonderen Nutzern", deren Videos grundsätzlich als Mobbing-Risiko betrachtet und in der Reichweite beschränkt wurden. Der eigentliche Inhalt der Videos habe dabei keine Rolle gespielt. Als Beispiele für die betroffenen Nutzer nennen die zitierten Richtlinien "entstelltes Gesicht", "Autismus" und "Downsyndrom". Die Moderatoren sollten selbst im Bewertungsprozess darüber urteilen, ob jemand diese Merkmale aufweist und das Video entsprechend markieren.

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Unklar bleibt, wie lange die diskriminierende Moderationsregeln gültig waren. Tik Tok gab an, die Vorschriften hätten nur in einer "frühen Phase" gegolten. "Netzpolitik.org" dagegen beruft sich auf eine anonyme Quelle, die gesagt habe, dass die Regeln noch im vergangenen September gegolten hatten.

Tik Tok gehört zum chinesischen Technologieunternehmen Bytedance. Immer wieder wurde dem Unternehmen vorgeworfen, dass es politische Inhalte filtere. Zuletzt war die App kritisiert worden, weil dort kaum Aufnahmen der Proteste in Hongkong zu sehen gewesen seien. Die Firma wies den Vorwurf der Zensur jedoch zurück.

[Text: Zusammen mit dpa]

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  • Quelle:
  • Noizz.de