Europäische Richtlinien und das Verbraucher-Vertrauen sprechen dagegen.

Das oberste EU-Gericht hat klar gegen das Prädikat „bio“ entschieden, wenn das Fleisch aus rituellen Schlachtungen stammt, bei denen die Tiere ohne Betäubung getötet werden.

Demnach darf Fleisch aus rituellen Schlachtungen ohne Betäubung nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs nicht das EU-Bio-Gütesiegel tragen. Eine solche Schlachtmethode erfülle nicht die höchsten Tierschutzstandards, erklärte der Europäische Gerichtshof (EuGH) am Dienstag in Luxemburg (Rechtssache C-497/17). Zudem müsse das Vertrauen der Verbraucher in Bio-Erzeugnisse gewahrt werden.

Hintergrund des Falls war ein Rechtsstreit in Frankreich. Eine Tierschutzorganisation wollte dort erreichen, dass als halal – also nach islamischen Regeln – gekennzeichnete Hacksteaks nicht mehr damit beworben werden dürfen, dass sie aus „ökologischem/biologischem Landbau“ stammen. Das zuständige Verwaltungsgericht bat den Europäischen Gerichtshof um Rat bei der Auslegung von EU-Recht.

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Das Leid der Tiere

Die Luxemburger Richter argumentierten nun, dass in den betreffenden EU-Verordnungen mehrfach betont werde, dass bei Bio-Fleisch das Tierwohl eine zentrale Rolle spiele. Wissenschaftliche Studien hätten gezeigt, dass die Betäubung die Technik sei, die das Tierwohl zum Zeitpunkt der Schlachtung am wenigsten beeinträchtige. Das Leiden werde erheblich verringert.

Rituelle Schlachtungen ohne Betäubung seien in der EU zwar aus Gründen der Religionsfreiheit erlaubt, führten sie weiter aus. Sie seien aber nicht geeignet, Schmerzen, Stress und Leiden der Tiere genauso zu mildern wie Schlachtungen mit Betäubung. Bei der Schlachtung ohne Betäubung sei ein präziser Halsschnitt mit einem scharfen Messer erforderlich, damit das Tier nicht zu lange leiden müsse. Das Leiden der Tiere werde aber nicht so gering wie möglich gehalten, wie es die wie es die EU-Bio-Verordnung verlange. Das Bio-Logo könne hier also nicht verliehen werden.

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Halal geht auch mit Betäubung bei der Schlachtung

„Es gibt erfreulicherweise eine sehr große Anzahl von muslimischen Glaubensgemeinschaften, für die eine Schlachtung mit Betäubung und halal kein Widerspruch sind“, erklärte der Deutsche Tierschutzbund. Stattdessen werde auf andere Vorschriften Wert gelegt, beispielsweise die Ausrichtung der Tiere nach Osten oder das Schlachten durch einen muslimischen Schlachter. Im Koran stehe zudem, dass die Tiere schonend behandelt werden müssten. Ein Betäubungsverbot gebe es nicht.

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Der deutsche Bio-Spitzenverband begrüßte, dass das EuGH-Urteil nun europaweit Klarheit schaffe. „Bio-Bauern engagieren sich für stressarme Methoden wie etwa die Weideschlachtung“, sagte eine Sprecherin des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft zudem.

[Text: Zusammen mit dpa]

Quelle: Noizz.de