Wie nah sind sich der SV Bautzen und die Neonazi-Marke Thor Steinar?

Julia Beil

Politik, Lifestyle & Mode
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Dieses Foto entstand bei einem Neonazi-Aufmarsch in Seelow, Brandenburg, 2006 Foto: Patrick Pleul / dpa

Ein Sponsor macht stutzig.

Der Fußballclub SV Bautzen hat seit einigen Monaten einen Sponsoren, der erst mal unscheinbar klingt: den „Nordland-Laden.“ Bei einem genauen Blick auf das, was der Konzern verkauft, taucht allerdings auch etwas gar nicht so Unscheinbares auf: der Markenname Thor Steinar.

Die Kleidung des Labels ist unter Neonazis extrem beliebt. Dazu tragen Motive wie germanische Runen, völkische Symbole und Anspielungen auf die NS-Zeit bei.

Ein T-Shirt-Modell von Thor Steinar, das schreibt der brandenburgische Verfassungsschutz, ist mit dem Wort „Flugschule" bedruckt und zeigt eine „Messerschmidt Me 262“ – die „Wunderwaffe“, mit der Hitler noch am Ende des Zweiten Weltkriegs auf eine militärische Wende hoffte. Nur ein erschreckendes Beispiel von vielen.

Welche politische Gesinnung ein Großteil der Thor Steinar-Sympathisanten hat, ist auch nach einer kurzen Instagram-Recherche schnell erkennbar, Hashtag #thorsteinar:

Im Bundestag, dem Landtag von Mecklenburg-Vorpommern und in vielen Fußballstadien ist die Marke verboten. Dass sie jetzt – zumindest indirekt – von einem Fußballverein beworben wird, ist zumindest zweifelhaft. Findet auch Politiker Steffen Grundmann, Stadtrat der Linken-Fraktion in Bautzen, und kritisiert den SV auf Facebook.

„Ich war überrascht, was für einen Sponsor sich der SV da angelacht hat. Die Marken, die der Laden verkauft, sind bei Menschen aus der rechten Szene beliebt“, sagte Grundmann dem MDR. Das ist noch nett ausgedrückt – auf der Seite des brandenburgischen Verfassungsschutzes heißt es: „Unter Rechtsextremisten gelten (...) auch die neuen Logos als identitätsstiftender Erkennungs-Code.“ Außerdem prüfen gerade mehrere Gerichte, ob Thor Steinar auf seinen Kleidungsstücken Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verwendet.

Hoffentlich hat der Vorstand des SV Bautzen das alles einfach nicht gewusst und aus Fahrlässigkeit das Logo des „Nordland-Ladens“ auf die Trikots gedruckt. In diesem Fall sollte sich der Verein schnell einen anderen Sponsoren suchen. Wenn das Sponsoring Absicht war, dann liegen die Probleme beim Verein offensichtlich tiefer.

Quelle: MDR

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