Vom „Reichspark“ in den Fuhrpark der Polizei Sachsen?

Im November veröffentlichte der Satiriker Jan Böhmermann eine Fake-Doku über einen Nazi-Vergnügungspark (NOIZZ berichtete). „Geschichte erleben“ sollte man durch Reanactment im fiktiven „Reichspark“.

Die Polizei Sachsen hat nun einen Panzerwagen in Betrieb genommen, dessen Innenaussattung tatsächlich an NS-Zeiten erinnert – mit Frakturschrift und Eichenkranz inklusive. Dadurch erntete sie am Wochenende einen Shitstorm in den sozialen Netzwerken. Das sächsische Innenministerium schiebt die Verantwortung auf den Hersteller Rheinmetall.

Am Freitag hat die sächsische Polizei den ersten von zwei Panzerwagen „Survivor R“ in Empfang genommen. Die „Leipziger Volkszeitung“ hat die Übergabe in einer Bildergalerie dokumentiert. Am Sonntag haben aufmerksame Twitter-Nutzer schließlich auf ein pikantes Detail aufmerksam gemacht: den Sitzbezug.

In Frakturschrift steht dort „Spezialeinsatzkommando Sachsen“. Zwischen den zwei Wörtern – in einem Lorbeerkranz – das Sachsen-Wappen. Statt des modernisierten Wappen wie auf den Uniformen des SEK Sachsen handelt es sich jedoch um ein älteres Wappen. Rechts und links davon gehen Flügel ab.

Das sächsische Innenministerium reagierte: „Das Fahrzeug wurde mit dieser Bestickung der Sitze vom Hersteller so ausgeliefert. Auch wenn die vom Hersteller gewählte Schriftart nicht dem Markenhandbuch entspricht: Darin ein Indiz für rechte Attitüde zu sehen, weisen wir entschieden zurück“, so ein Tweet des Social Media Teams.

Dabei ist im Wervevideo von Rheinmetall zu sehen, dass es den Panzer auch mit anderer Innenausstattung gibt (Minute 13:52 im Video).

Daher geht es nun um die Frage, wer die Bestickung bestellt hat. Bis zur Veröffentlichung dieses Artikels konnte die Pressestelle von Rheinmetall nicht erreicht werden. Der Grünen-Abgeordnete Valentin Lippmann hat nun eine parlamentarische Anfrage vorbereitet.

Und wozu überhaupt die Panzer? Die je 17 Tonnen schweren Fahrzeuge sollen bei Terror- und Amoklagen eingesetzt werden, sagte Innenminister Markus Ulbig. Der CDU-Politiker erinnerte auch an den von Anis Amri verübten Anschlag in Berlin im vergangenen Jahr. Es sei „oberste Pflicht“, auf solche Situationen vorbereitet zu sein.

Die Kosten für beide Fahrzeuge belaufen sich den Angaben zufolge auf gut drei Millionen Euro. Gezahlt wurden sie aus Mitteln eines Anti-Terror-Pakets, das auch Schutzwesten, Helme und Waffen finanzierte.

Ein Polizist des SEK am Steuer des Fahrzeugs Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Die von Rheinmetall hergestellten Wagen seien nach den Anschlägen in Paris im Jahr 2015 speziell für die sächsische Polizei entwickelt worden, sagte Sachsens SEK-Chef. In dem 6,7 Meter langen und 2,45 Meter breiten Fahrzeug haben neben Fahrer elf Menschen Platz.

Im Inneren befindet sich unter anderem eine spezielle Kamera, über einen Mehrzweckaufsatz können Rauch oder Reizgas versprüht werden. Der Panzerwagen fährt bis zu 100 Kilometer pro Stunde. Der zweite „Survivor R“ soll am Montag in Leipzig ankommen. Wo sie dann stationiert werden, hänge von der aktuellen Lage ab, hieß es.

[Text: mit dpa]

Quelle: Noizz.de