Anschläge aufgrund von Frauenhass sind seit Toronto ein Thema.

Ein Mann überfährt mit einem Lieferwagen Passanten einer belebten Einkaufsstraße in Toronto. Der 25-jährige Alek M. wird anschließend ohne Schusswechsel festgenommen. Zehn Menschen hat der Student getötet, er wird im Gericht wegen zehnfachen Mordes und 13-fachen versuchten Mordes angeklagt.

Alek M. vor Gericht. Foto: Alexandra Newbould / dpa

Nun ist Alek M.s Motiv klar: Frauenhass.

In einem nicht mehr verfügbaren Facebook-Video, das der Student kurz vor seiner Amokfahrt veröffentlichte, spricht der 25-Jährige Bewunderung für den Mörder Elliot Rodger aus. 2014 tötete der 22-Jährige in Kalifornien sechs Menschen und anschließend sich selbst – weil er frustriert über seine Jungfräulichkeit war und dadurch einen extremen Frauenhass entwickelte.

Die Opfer von Alek M.s Amokfahrt sind überwiegend Frauen – das teilte der Chefermittler Graham Gibson am Dienstagabend mit.

Auf Facebook erklärte der Student zudem, er würde als Teil einer Rebellion „alle Chads und Stacys stürzen“. Diese Namen werden im Internet oft verwendet, um Frauen und Männer mit aktivem Sexleben abwertend zu bezeichnen.

Dieses Motiv geht uns alle was an!

Knapp 6500 Kilometer Luftlinie von Toronto entfernt, denke ich mir: Super, jetzt bin ich nicht nur wegen meinem Migrationshintergrund (hallo Nazis), meiner westlichen Verdorbenheit (hallo Islamisten) und meinen roten Haaren (Hallo Leute, die an Hexen glauben) bedroht, sondern auch, weil ich eine Vagina habe und Männern deswegen theoretische einen Korb geben könnte.

Geschlechterdiskriminierung ist sicherlich keine Neuentdeckung. Jedoch ist es erschreckend, dass es in unserer westlichen Gesellschaft Platz für solche Gedanken oder Wertevorstellungen gibt. Die irgendwann zu Taten wie die Amokfahrt von Toronto werden. Oder wie der Anschlag von Münster.

Das Problem ist jedoch nicht die Männlichkeit an sich, sondern wie wir Männlichkeit definieren. Jungen wird etwa bereits ganz früh - oft unbewusst - beigebracht, dass weinen und Emotionen zeigen ein Ausdruck von Schwäche sei. Dass die Gleichung „je mehr Frauen ich habe, desto mehr Ansehen habe ich und desto männlicher bin ich“ total Sinn macht. Dass Gewalt zum Mann gehört.

Toxische Männlichkeit - das Wort der Stunde

Diese Merkmale, die sich sehr schnell in Sprache und Verhalten wiederspiegeln, ergeben zusammen die toxische Männlichkeit, die zu Frauenhass und -unterdrückung führen kann. Und im Extremfall zu ebensolchen Anschlägen, deren Ziel das Töten von möglichst vielen Frauen ist.

Abschließend hätte ich ein paar Fragen: Warum leben wir in einer Zeit, wo das Wort „Femizid“ in irgendwelchen Zusammenhängen verwendet wird? Warum lernen Männer von Kindheit an, dass Frauen abzuschleppen angeblich eine Kerndefinition von Männlichkeit ist? Warum ist toxische Männlichkeit kein Begriff, der ständig diskutiert wird? Und wann endlich wird der Respekt vor Frauen so hoch sein, dass ich nicht mehr Angst haben muss, weil ich eine Vagina habe?

Quelle: Noizz.de