Lauren McCluskey wurde 2018 an der University of Utah von ihrem Ex-Freund ermordet. Er hatte kurz vor ihrem Tod versucht, sie mit Nacktfotos zu erpressen. Um dagegen vorzugehen, hatte Lauren die Fotos einem Campus-Polizisten geschickt – der sie lieber auf dem eigenen Handy gespeichert und vor Kollegen damit angegeben haben soll, als die Ängste der Studentin ernst zunehmen.

2018 ereignete sich an der University of Utah ein tragischer Mordfall: Dort wurde die 21-jährige Studentin und Leichtathletin Lauren McCluskey ermordet – von ihrem Ex-Freund. Der Mord ging durch die Medien – vor allem, weil die Geschichte verdammt gruselig ist. Denn der Täter war kein unbeschriebenes Blatt: Melvin Rowland war ein verurteilter Sexualstraftäter, der Lauren seinen wahren Namen, sein wahres Alter und sein Gefängnisaufenthalt verschwiegen hatte. Die Studentin begann im September 2018 mit ihm auszugehen, nachdem sie ihn in einer Bar in Salt Lake City kennengelernt hatte. Der 37-jährige Sexualstraftäter, der ein Jahrzehnt im Gefängnis verbracht hatte, hatte sich als 28-jähriger Student ausgegeben und sich ihr unter dem Namen Shawn Fields vorgestellt.

Lauren wurde erst das Opfer einer Erpressung – und schließlich ermordet

Als Lauren seine wahre Identität herausfand, brach sie die Beziehung ab. Darauf verfolgte und belästigte der Täter sie. Lauren schaltete schließlich die Polizei ein, weil sie sich durch Textnachrichten, die er ihr schickte, bedroht fühlte. Wenig später meldete sie der Campus-Polizei außerdem, dass Rowland sie um 1.000 US-Dollar erpressen würde, indem er drohe, Fotos von ihr ins Netz zu stellen. Lauren war so verzweifelt, dass sie auf seine Erpressungsversuche einging – doch gleichzeitig die Fotos, sowie Textnachrichten und Transaktionsdetails als Beweis an die Campus-Polizei schickte. Etwas mehr als eine Woche, nachdem Lauren sich hilfesuchend an die Campus-Polizei gewendet hatte, wurde sie von Melvin Rowland getötet. Laut polizeilichen Untersuchungen soll Lauren am 22. Oktober 2018 eine Nachricht, höchstwahrscheinlich von Rowland, bekommen haben, der vorgab, der stellvertretende Polizeichef zu sein, um sie vom Campus wegzulocken. Stunden später wurde Laurens Leiche in einem auf dem Campus geparkten Auto gefunden – sie war erschossen worden.

Der verantwortliche Polizeibeamte rühmt sich mit ihren Fotos

Wie konnte es soweit kommen? Nahm die Polizei Laurens Angst nicht ernst? Anscheinend nicht, denn jetzt sind neue Details ans Licht gekommen, die darauf hinweisen, dass die Ermordung der jungen Frau vielleicht hätte verhindert werden können – wenn sich ein fähigerer Polizist um den Fall gekümmert hätte. Die Zeitung "Salt Lake Tribune" veröffentlichte am vergangenen Wochenende einen Artikel, in dem zwei Beamte zitiert werden. Sie behaupteten, dass der Campus-Polizist McCluel Deras – der sich 2018 um Laurens Fall kümmerte – ihre Fotos auf seinem persönlichen Telefon gespeichert und mindestens eines der Fotos einem männlichen Kollegen gezeigt hätte. Er habe sich gerade zu damit gerühmt, Laurens Nacktfotos zu besitzen – und sie anschauen zu können, wann immer er wollte. Auch die Nachricht die Lauren an dem Tag ihrer Ermordung erhielt, leitete sie an Deras weiter, doch der habe darüber niemandem in der Abteilung informiert.

>> 15-Jährige ermordet dreijährigen Halbbruder mit 28 Messerstichen – siebeneinhalb Jahre Haft

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Twitter
Um mit Inhalten aus Twitter und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Was wäre passiert, wenn der Beamte Laurens Fall ernster genommen hätte? Wenn er, anstatt mit ihren Fotos zu prahlen, auf ihren letzten Hilferuf eingegangen wäre? Wäre die Athletin dann vielleicht noch am Leben?

Die Universität will den Fall weiter untersuchen

Am Montag kündigte die Universität an, eine externe Untersuchung der Vorwürfe anzuordnen. "Wenn dies zutrifft, handelt es sich um einen schwerwiegenden Vertrauensbruch und einen Verstoß gegen die Standards der professionellen Strafverfolgung", ließ der leitende Polizeikommissar Rodney Chatman in einer Erklärung laut "Washington Post" verlauten. "Es ist für einen Polizisten unentschuldbar, Fotos oder Informationen eines Opfers, das Gerechtigkeit sucht, weiterzugeben", sagte Chatman. "Vor allem auf einem College-Campus ist das eine ungeheure Straftat – weil junge Frauen eh schon zögern, der Polizei sexuelle Übergriffe zu melden, weil sie Angst haben, dass man ihnen nicht glaubt."

An dieser Stelle findest du Inhalte von Drittanbietern
Um mit Inhalten von Drittanbietern zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Auch die Mutter der Ermordeten, Jill McCluskey, äußerte sich zu den neu aufgenommenen Entwicklungen: "Die Person, die Lauren polizeilich hätte helfen sollen, hat sie stattdessen ausgebeutet". Und weiter: "Ich wünschte, [Deras] hätte seine Zeit genutzt, um Laurens Mörder zu verhaften, anstatt ihre sich mit ihren Fotos zu beschäftigten."

>> Drei neue Erkenntnisse im Mordfall Ahmaud Arbery

Quelle: Noizz.de