Der Scheintod eines russischen Journalisten zeigt, wie es geht.

Am Dienstagabend (29. Mai) verbreitete sich in den Medien die Nachricht, dass der regierungskritische russische Journalist Arkadi Babtschenko in Kiew ermordet wurde. An sich ist das traurigerweise keine Sensationsmeldung – in Russland steht es um die Meinungs- und Pressefreiheit sehr schlecht, regelmäßig werden liberale und kritische Journalisten und auch Politiker angegriffen.

Nun hat es wohl auch den russischen Kriegsjournalisten getroffen. Im Netz äußerten viele Menschen Empörung und Trauer, es wurde eine Gedenkveranstaltung für den 41-Jährigen vorbereitet.

Doch am Mittwoch stellte sich heraus: Babtschenko ist nicht tot. Er erschien quicklebendig auf einer Pressekonferenz des ukrainischen Geheimdienstes SBU, die eigentlich veranstaltet wurde, um der Öffentlichkeit weitere Details über den Mord zu verraten. Anwesende Journalisten klatschten überrascht für ihren totgeglaubten Kollegen, der nach Beginn der Konferenz im Raum erschien. Babtschenko entschuldigte sich bei seiner Frau und lächelte dann in die Runde. Doch stellten sich alle die Frage: Was genau ist passiert?

Fast wie im James-Bond-Film

Die Antwort will der ukrainische Geheimdienstchef liefern: Gemeinsam mit Babtschenko hat die SBU den Tod vorgetäuscht. Der Grund: Um den eigentlichen Mord des Journalisten zu verhindern. Dieser sollte von der russischen Regierung bereits bestellt worden sein. Der russische Geheimdienst hat angeblich einem Ukrainer 40.000 Dollar gezahlt, um Babtschenkos Mord zu organisieren. Kommentar des Journalisten: "Ich bin ja doch einiges Wert." Das hätte die Ukraine spitzgekriegt und so eine geheime Operation gestartet. Man wollte gleich mehrere Mordanschläge verhindern. Vor etwa einem Monat wurde Babtschenko die Pläne eingeweiht.

Babtschenko gilt als Provokateur im russischen Journalismus – nachdem er den Ukrainekonflikt harsch verurteilte, bekam er Morddrohungen und musste aus seiner Heimat Moskau fliehen. Als der 44-Jährige Kritik für seinen Scheintod bekam, erklärte er auf Twitter, dass er beim nächsten Anschlag sicherlich draufgehen wird. Unter anderem kritisierte die russische Regierung die Operation und bezeichnete diese als Propagandaaktion.

Babtschenko und der ukrainische Geheimdienstchef Wassili Grizak. Foto: dpa

Die Aktion zeigt: Im Grunde braucht es eigentlich nur eine Handvoll einflussreiche Menschen, die es problemlos schaffen können, einen Mord vorzutäuschen – in diesem Fall der ukrainische Geheimdienstchef. Denn die Polizei gilt meist als sichere Quelle. Aber die Motive dahinter, den globalen Ukraine-Konflikt anzuheizen, sind nicht sonderlich unterstützenswert. Deshalb ist nicht ganz klar, ob die Darstellung komplett wahrhaftig ist. Eine Diskussion über Wahrheiten und deren Verdrehung wird die Aktion auf jeden Fall auslösen.

Quelle: Noizz.de