Der Satz „Dieser Job ist nur für Männer“ ist dabei noch harmlos.

Frauen, die sexy an der Stange tanzen, in die Kamera lächeln und erklären, welche Männer ihnen am besten gefallen. Nein, das ist kein verführerisches Poledance-Video. Es ist eine Werbung des Telekommunikations-Firma Alibaba aus dem Jahr 2012, die versucht, Männer in China für Jobs anzuwerben.

Solche Stellenanzeigen sind in China weit verbreitet. Zwar boomt die Wirtschaft des bevölkerungsreichsten Lands der Welt seit über vier Jahrzehnten, doch werden Frauen nicht als vorteilhafte Arbeitskräfte angesehen.

Der Gender Pay Gap ist in China riesig

Bei einer Studie des „World Economic Forum“ zu Geschlechtergerechtigkeit liegt China weltweit auf Platz 100 von 144. Laut einer im Jahr 2016 durchgeführten Analyse des chinesischen Sozialinstituts verdienten Frauenim Jahr 2010 in der Stadt nur 67 Prozent des männlichen Einkommens, auf dem Land sogar nur 56 Prozent.

Die Organisation „Human Rights Watch“ hat über 36.000 chinesische Stellenanzeigen, die in den vergangenen fünf Jahren veröffentlicht wurden, analysiert und nun ihre Ergebnisse veröffentlicht.

Aus dem 99-seitigen Bericht geht hervor: Nahezu jede fünfte Werbekampagne für Jobs im Staatsdienst beinhaltet Sätze wie „Nur für Männer“, oder „Männer werden bevorzugt“. Viele Stellenausschreibungen verlangen von Frauen, dass sie „wunderschöne äußerliche Merkmale“ als Qualifikation mitbringen. Einige Unternehmen geben sogar Größenwerte und Maße an, die Frauen mitbringen müssen, um überhaupt bei der Bewerbung berücksichtigt zu werden. Wiederum andere Firmen werben damit, dass schöne Frauen in ihrem Betrieb arbeiten – nach dem Motto: "Fängst du bei uns an, findest du die Frau deiner Träume". Das Aussehen der Koleginnen soll zudem die Belohnung für Überstunden sein.

Am Arbeitsplatz angekommen, werden Frauen dann sexualisiert. Wie auf dieser Weihnachtsfeier der Messenger-Firma Tencent, wo Frauen Blowjobs nachstellen sollten.

Frauen haben einen niedrigeren Wert auf dem Arbeitsmarkt

Diese Stellenanzeigen beschreiben den krassen Sexismus, der in der chinesischen Gesellschaft tief verwurzelt ist. So werden Frauen im Vergleich zu Männern als physisch, mental und auch intellektuell weniger fähig angesehen.

Der chinesische Staat tut währenddessen wenig gegen die Sexismuskultur und betreibt diese oft auch selbst. Zwar gibt es ein gesetzliches Verbot von Geschlechterdiskriminierung, jedoch ist es sehr schwammig formuliert.

Es gibt bis jetzt nur drei dokumentierte Fälle in China, bei denen Frauen gegen diese eine „Nur für Männer“-Jobanzeige geklagt haben. Sie gewannen sogar den Prozess – die Firma musste ihnen jedoch lediglich 300 US-Dollar Entschädigung zahlen. Doch weil der chinesische Staat viele Menschenrechts-Aktivitäten verhindert, bleibt es bei diesem Einzelfall.

Wird es Folgen aus dem Bericht geben?

„Human Right Watch“ ruft nun alle Unternehmen mit sexistischen Stellenangeboten dazu auf, ihre Firmenpolitik zu ändern. Insbesondere nennt die Organisation dabei den Tech-Konzern Alibaba, die Suchmaschinen-Firma Baidu sowie den Messenger Tencent. Aber auch der Handy-Hersteller Huawei wird im Bericht erwähnt. Einige Unternehmen haben sich inzwischen entschuldigt.

Die diskriminierende Einstellung beschränkt sich übrigens nicht nur auf Stellenanzeigen: In diesem Werbespot von Audi etwa wird die Frauenwahl eines Mannes mit einem Autokauf verglichen.

Quelle: Noizz.de