Es geht um dutzende Tote bei einem Fußballspiel vor 29 Jahren.

Topshops Männermarke Topman hat einen knallroten Pullover in ihren Online-Shop gestellt. Die Front zeigt die Silhouette einer weißen Rose. Der rechte Ärmel ziert den Schriftzug „KARMA“. Die Rückseite zeigt die Zahl 96, eine weitere Rose und darunter das englische Sprichwort „What goes around comes back around“.

Der knallrote Jumper erinnert an ein schmerzhaftes Ereignis Foto: Alisha Mendgen / Topman/Webseite

Die Twitter-User aus England sind außer sich und Topshop hat den 20-Pfund-Jumper bereits aus dem Shop gelöscht.

Doch warum das Drama? Die wütenden Kunden sehen eine Beziehung zwischen dem Pullover und einem schrecklichen Ereignis in der englischen Geschichte – die Katastrophe von Hillsborough.

Bei einem Fußballspiel zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest in Hillsborough in Sheffield wurden extrem viele Besucher eingelassen, Massenpanik brach aus und zahlreiche Menschen wurden totgetreten.

Der 15. April 1989 brachte so insgesamt 96 Tote und 766 Verletzte hervor – das jüngste Opfer war 10 Jahre alt.

Die Hinterbliebenen sehen eine Verbindung zwischen den 96 Opfern und der gleichen Zahl auf dem Pulli. Das Rosen-Motiv des Pullis verärgert, denn für jedes Opfer werden bis heute Rosen im Stadion verteilt. „KARMA“ und „What goes around comes back around“ wird als Referenz zu der voraus gegangenen Tragödie bei einem Juventus-Liverpool-Spiel 1985 gesehen. Randalierende Liverpool-Fans stürmten eine Tribüne, die Wand kippte um und 39 Menschen wurden qualvoll erdrückt – darunter fast nur Fans von Juventus. Viele Jahre wurde das Hillsborough-Desaster durch Kritiker als Retourkutsche oder Karma für die Liverpooler Fans angesehen.

Die britische Modekette entschuldigte sich, nahm den Pulli aus dem Sortiment und erklärte, dass die Designer von einem Bob-Marley-Song inspiriert wurden. Darin singt er die Phrase „What goes around, comes around“. Rereleased wurde der Song 1996 – daher die Zahl auf dem Pulli so Topshop.

Die Gegner finden diese Erklärung schwach. So eine Panne durch ein britisches Großunternehmen sei unverständlich. Zumal bereits Liverpool-Gegner den Aufhänger nutzen, um die Opfer online zu verhöhnen.

Topshop löste damit nicht als einzige Modekette einen Eklat aus. Vor kurzem fiel H&M mit einem rassistischen Pullover auf und entfachte eine Riesen-Debatte in der Modewelt (NOIZZ berichtet).

"Coolest Monkey in the Jungle" – mit diesem Werbefoto sorgte H&M im Januar für Ärger Foto: Uncredited/H&M/AP/dpa +++ (c) dpa - Bildfunk +++ / Noizz.de

Quelle: Noizz.de