Der afro-amerikanische Hobby-Vogelbeobachter Christian Cooper wollte im Central Park eigentlich nur ein paar Vögel und die Natur genießen, als eine weiße Joggerin mit nicht angeleintem Hund vorbei kam. Nachdem er sie darauf aufmerksam machte, dass Hunde in diesem Teil zum Schutz der Natur angeleint geführt werden müssen, zückte sie die Rassismus-Karte sowie ihr Handy, rief die Polizei an und gab an, ein afroamerikanischer Mann würde das Leben von ihr und ihrem Hund bedrohen. Jetzt wurde sie wegen Falschaussage verklagt.

Nach einem Rassismus-Vorfall im Central Park hat die New Yorker Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. Ein afroamerikanischer Hobby-Vogelbeobachter hatte bei dem Vorfall Ende Mai eine weiße Frau gebeten, den Parkregeln entsprechend ihren Hund anzuleinen. Die Frau lehnte dies jedoch ab, rief die Polizei an und drohte damit, zu berichten, dass ein afroamerikanischer Mann ihr Leben bedrohe.

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Central-Park-Video geht viral

Anstatt wegzurennen und sich seinem Schicksal als Teil einer benachteiligten und strukturell diskriminierten Minderheit zu fügen, zückte Cooper seine Handykamera, blieb unaufgeregt auf seiner Bank sitzen und filmte die Frau dabei, wie sie mit der einen Hand ihren Hund halb strangulierte, mit der anderen ernsthaft die 911 wählte und Anzeige erstattete, ihr Leben werde von einem Schwarzen Mann im Central Park bedroht. Das Video wurde auf YouTube mittlerweile millionenfach geklickt, und die Frau müsse sich nun wegen fälschlicher Anzeige eines Vorfalls verantworten, kündigte Staatsanwalt Cyrus Vance am Montag an.

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"Ich werde sicher nicht an meiner eigenen Entmenschlichung mitwirken", erklärt sich Cooper im Interview mit "NBC New York" und fügt hinzu: "Wir leben im Zeitalter von Ahmaud Arbery, in dem Schwarze Männer niedergeschossen werden, wegen Fehleinschätzungen, die Menschen von uns haben." Sein Video beendet er übrigens ab exakt dem Zeitpunkt, da die Joggerin ihren Hund an die Leine nimmt – zu spät, denn ihre unmenschliche und rassistische Reaktion ist bereits aufgezeichnet und reif fürs Internet.

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Eine der vielen Demos für Ahmaud Arbery, der beim Joggen erschossen wurde – weil er Schwarz war.

Rassismus-Debatte in den USA: kein Ende in Sicht

In den USA hat das Video folglich für viel Wirbel gesorgt und ist die neue Eisspitze der aktuellen Rassismus-Debatte, ausgelöst vom Polizeimord an George Floyd. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio hatte die Frau schwer kritisiert und gesagt, das Video zeige "Rassismus, ganz einfach". Die Frau, die daraufhin von ihrem Arbeitgeber entlassen wurde, entschuldigte sich, wies aber alle Rassismus-Vorwürfe zurück. "Es war inakzeptabel und ich entschuldige mich demütig und vollkommen."

[Text zusammen mit: dpa]

Quelle: Noizz.de