In den USA ist eine 15-Jährige inhaftiert worden, weil sie ihre Schularbeiten nicht gemacht hat. In den fehlenden Hausaufgaben sah die Richterin einen Verstoß gegen Bewährungsauflagen – trotz Corona-Pandemie und diagnostiziertem ADHS, WTF?

Ja, ihr habt richtig gehört: Wer seine Hausaufgaben während einer weltweit wütenden Pandemie nicht macht, landet im Knast – zumindest, wenn es nach der Richterin geht, die sich in Detroit dem Fall der Schülerin Grace angenommen hat: Der Teenager wurde in der Vorstadt der US-amerikanischen Millionenstadt nämlich in die Jugendstrafanstalt gesteckt, weil sie mit den Hausaufgaben nicht mehr hinterherkam – nachdem an ihrer Schule kein Unterricht mehr stattfand.

Keine Unterstützung – trotz offensichtlicher Lernschwäche

Das Mädchen leidet an ADHS und nachdem ihre Schule aufgrund des Corona-Virus geschlossen hatte, fiel es ihr zunehmend schwieriger, sich an den Unterrichtsplan für zu Hause zu halten. Laut ihrer Mutter habe der Teenager vor Corona einen speziellen Unterrichtsplan gehabt, außerdem hätten die Lehrer*innen ihr mehr Zeit bei Aufgaben und Tests gegeben und ihr Unterrichtsmaterialien erklärt. Zu Hause hätte sie all diese Hilfen nicht mehr bekommen, wie die Nachrichtenseite "ProPublica" berichtet.

Ungünstig für Grace: Ungefähr zur gleichen Zeit, als ihr Fernstudium begann, wurde die 15-Jährige zu einer "intensiven Bewährung" verurteilt – sie war im vergangenen Jahr nämlich wegen Körperverletzung und Diebstahl angeklagt worden. Und die Bedingungen der Bewährung waren verdammt streng: Sie wurde per GPS überwacht, musste zu regelmäßigen Check-ins bei einer Gerichtssachbearbeiterin, durfte ihr Smartphone nicht benutzen und sollte das Schul-Laptop ausschließlich zu pädagogischen Zwecken nutzen. Grace war auch verpflichtet, ihre Schularbeiten zu erledigen.

>> Erstes Land weltweit führt LGBTQ-Geschichte an Schulen ein

Grace hatte Angst, die Bewährungsauflagen nicht erfüllen zu können

Weil die Schülerin selbst merkte, wie schwer ihr das Lernen fiel, wendete sie sich an ihre Sachbearbeiterin, weil sie sich überfordert fühlte und Angst hatte, die Bewährungsauflagen nicht erfüllen zu können. Doch die konnte es anscheinend gar nicht erwarten, einen Antrag auf Verletzung der Bewährungsauflagen einzureichen: Einen Tag, bevor Grace schließlich endlich Nachhilfe von ihrem Sonderschullehrer bekommen hätte, reichte die Sachbearbeiterin Unterlagen ein, die anprangerten, dass das Mädchen ihre Schularbeiten nicht gemacht hätte.

Besonders krass: Die Sachbearbeiterin füllte den Antrag auf, bevor überhaupt bestätigt wurde, ob Grace ihre akademischen Anforderungen erfüllt hatte oder nicht. Ein Lehrer sagte laut "Unilad" später, dass Grace Leistungen nicht besonders von denen anderer Schüler*innen abgewichen waren.

Die Richterin sah in ihr eine "Bedrohung für die Gemeinschaft"

Infolge des Verstoßes musste Grace zu einer Anhörung, bei der sie argumentierte, sie habe nur Zeit gebraucht, um sich an die Arbeit von zu Hause aus zu gewöhnen. Doch die Vorsitzende Richterin der Familiengerichtsabteilung von Oakland County wollte das nicht einsehen und schickte sie in die Jugendstrafanstalt: Grace habe eine "Null Toleranz"-Bewährung. In ihrem Urteil befand die Richterin Grace für schuldig, weil sie keine Schularbeiten mache und nicht zur Schule ginge – und bezeichnete den Teenager als "Bedrohung für (die) Gemeinschaft". Krass: Eigentlich hatte der Staat zum Zeitpunkt der Entscheidung wohl entschieden, dass Kinder und Jugendliche aktuell gar nicht inhaftiert werden dürfen, es sei denn, es handele sich um einen "dringenden Notfall". Der Grund: Natürlich der Ausbruchs des Coronavirus.

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Twitter
Um mit Inhalten aus Twitter und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Fiel das Urteil aufgrund von Rassismus?

Auf Nachfrage von "Unilad" gaben Rechtsanwälte in Michigan an, ihnen sei kein Fall bekannt, in dem ein Kind jemals wegen Nichterfüllung der akademischen Anforderungen inhaftiert worden sei. Einige von ihnen glauben, dass der Fall von Grace eine systemische rassistische Voreingenommenheit widerspiegeln könnte, da sie in einer weitgehend weißen Gemeinde Schwarz ist. In den letzten fünf Jahren betrafen 42 Prozent der Fälle, die an das Bezirksgericht von Oakland verwiesen wurden, Schwarze Jugendliche, obwohl nur etwa 15 Prozent der Jugendlichen des Bezirks Schwarze sind, wie "ProPublica" berichtet.

Grace wird bis zum 8. September in der Haftanstalt bleiben, dann wird eine Anhörung angesetzt, um den Fall zu überprüfen. Wir drücken ihr die Daumen, dass sie so schnell wie möglich rauskommt.

>> Will Smith spricht über persönliche Rassismus-Erfahrungen mit der Polizei

Quelle: Noizz.de