Der Prozess zwischen Rapper Bushido und Clanchef Arafat Abou-Chaker beschäftigt deutsche Medien seit Wochen. Nun scheint es, als würde die Anklage fallen gelassen werden – wegen Steuerfahndern, die in einem anderen Prozess gegen Arafat Abou-Chaker Unterlagen fotografiert haben, die sie nicht hätten fotografieren dürfen.

Während sich Clan-Chef Arafat Abou-Chaker seit Wochen vor dem Landgericht verantworten muss, kam es wegen anderer Ermittlungsverfahren zu Durchsuchungen bei ihm. Das brachte die Beweisaufnahme im laufenden Prozess ins Stocken.

Der Rapper Bushido muss im Prozess gegen einen bekannten Berliner Clan-Chef weiter auf die Fortsetzung seiner Aussage warten. Das Landgericht hat am Montag zunächst mehrere Steuerfahnder vernommen. Hintergrund ist eine kürzlich unter anderem auf dem Villen-Grundstück des Hauptangeklagten Arafat Abou-Chaker im brandenburgischen Kleinmachnow durchgeführte Durchsuchung. Es ging laut Staatsanwaltschaft unter anderem um Ermittlungen wegen Verdachts auf Steuerhinterziehung.

Arafat Abou-Chaker – gerettet von Steuerfahndern?

Die Verteidiger von Arafat Abou-Chaker hatten im Zusammenhang mit der Razzia eine Einstellung oder Aussetzung des Prozesses um mutmaßliche Straftaten zu Bushidos Nachteil beantragt. Die Begründung: Es seien unter anderem handschriftliche Notizen fotografiert worden, die Arafat Abou-Chaker in einer Verhandlung angefertigt habe. Ein Finanzbeamter sagte am Montag als Zeuge, die Steuerfahndung werde die Fotos nicht verwenden. Sie sollten gelöscht werden. Die Durchsuchung habe auch nichts mit dem laufenden Prozess zu tun.

Die Anwälte des Hauptangeklagten hatten in ihrem Antrag am vergangenen Mittwoch erklärt, die Aufzeichnungen ihres Mandanten seien für seine Verteidigung im jetzigen Verfahren relevant. Ein faires, rechtsstaatliches Verfahren sei unter diesen Umständen nicht mehr gegeben.

Über den Antrag hat das Gericht noch nicht entschieden. Zunächst sollten Fragen zur Durchsuchung am 22. September geklärt werden, hieß es. Am nächsten Verhandlungstag am 12. Oktober soll ein weiterer Zeuge zu diesem Thema gehört werden. Verteidiger verlangten am inzwischen zehnten Prozesstag, die Steuerfahndung müsse die Fotos so löschen, dass die Bilder elektronisch nicht mehr rekonstruierbar seien.

Bushido seit Prozess permanent unter Polizeischutz: Wie geht es weiter, sollte der Prozess abgebrochen werden?

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Clan-Chef Straftaten zum Nachteil des Rappers Bushido vor. Drei Brüder von Arafat Abou-Chaker sind als Gehilfen oder Mittäter angeklagt. Laut Anklage ist es zu Straftaten gekommen, nachdem Bushido 2017 die Geschäftsbeziehungen auflöste. Arafat Abou-Chaker habe dies nicht akzeptieren wollen und von Bushido eine Millionenzahlung sowie die Beteiligung an dessen Musikgeschäften für 15 Jahre gefordert.

Der 42-jährige Bushido, der mit bürgerlichem Namen Anis Ferchichi heißt, ist in dem seit Mitte August laufenden Prozess am Landgericht der Hauptstadt Nebenkläger und Zeuge. Er soll im Dezember 2017 und Januar 2018 bedroht, beschimpft, eingesperrt und mit einer Wasserflasche sowie einem Stuhl attackiert worden sein. Arafat Abou-Chaker (44) und Bushido galten einst als Partner im Musikgeschäft. Die Angeklagten haben zu Prozessbeginn zu den Vorwürfen geschwiegen.

Bushido, der von Personenschützern in den Gerichtssaal begleitet wird, hat vor rund sechs Wochen mit seiner Aussage vor dem Landgericht begonnen. Detailliert äußerte er sich bereits zu den langjährigen Geschäftsbeziehungen zu dem Clan-Chef und verglich diese mit einer "Zwangsheirat". Unfreiwillig habe er an Arafat Abou-Chaker hohe Summen gezahlt und nicht darüber gesprochen. Zudem sei es auch zu gemeinsamen Immobiliengeschäften gekommen. Die Befragung des Musikers wurde durch den Antrag der Verteidiger unterbrochen.

[Text: Zusammen mit dpa]

  • Quelle:
  • Noizz.de