Eine Ausstellung in den Hamburger Deichtorhallen zeigt ganz virtuell, wie wir Klima-Demos, Black Lives Matter und Women's March im Netz in Szene setzen – und uns dabei ganz unbewusst auch der Ästhetik von Insta und Co. bedienen.

Eine Ausstellung über Social-Media-Fotografien in Corona-Zeiten – wie soll das bitte aussehen, geschweige denn funktionieren? Die Macher der Ausstellung "#ProtestsGoViral" haben sich dafür einem ganz neuen Galeriekonzept bedient, das allerdings auch ziemlich easy ist: Sie zeigen die Bilder auf ihren Plattformen. Aber nicht an deinem heimischen PC, sondern im Museumsambiente der renommierten Deichtorhallen in der Hansestadt Hamburg.

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Ausgangspunkt für diese etwas andere Schau sind zwei Ausstellungen, die zur gleichen Zeit im Haus der Photographie stattfinden, das zu den Hamburger Deichtorhallen gehört. Die beiden US-Fotografen Jerry Berndt und Matt Black zeigen in ihren Werken soziale Missstände in den USA auf – und führen krass vor Augen, dass sich das wie ein roter Faden durch die US-Geschichte zieht.

Auch #ProtestsGoViral zeigt soziale Konflikte und Problemfelder auf – allerdings anders als bei Black und Berndt, zeigen uns die Bilder das dramatische Hier und Jetzt. Es sind Fotos von verschiedenen Insta-Accounts, sie stammen von Demos, spontanen Protestaktionen und Events. Die Zusammenstellung gibt einen unmittelbaren Einblick in aktuelle Themenfelder des politischen Aktivismus in den USA. Besonders interessant im Hinblick auf die kommende US-Wahl, deren Ausgang noch immer ungewiss ist.

Bilder schreiben Geschichten – auch auf Instagram

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Die Kuratoren wollen dazu anregen, über die Bedeutung von Hashtags für aktuelle, Aktivismus vermittelnde Fotografie zu reflektieren. Denn gerade bei den Fridays-For-Future-Demos, aber auch bei den aktuellen BLM-Protesten wurde uns drastisch vor Augen geführt: Ein Insta-Post ist nicht mehr nur Fun und Selbstdarstellung. Die Bilder gehen um die Welt und werden zeitgeschichtliche Dokumente.

Und damit werden auch die Hashtags mehr und mehr Teil der Fotografie – denn sie dienen nicht nur der Verschlagwortung, sondern sind eine Botschaft. Eine, die immer mehr Fotografen in ihrer Arbeit nutzen. Eine Medienrevolution, inmitten derer wir uns befinden und in der sehr viele Möglichkeiten stecken: Ähnlich wie Spotify das Musikbusiness demokratisiert hat, ermöglicht Instagram das für die dokumentarische Fotografie – und ist zugleich ein Sprachrohr.

Hashtags sind Aktivismus pur

Erstmals wurden Hashtags 2007 auf Twitter eingeführt, seit 2010 werden sie auch auf Instagram genutzt – und mauserten sich zu einem immer wichtig werdenden Tool, um Trends zu setzen, aber auch um Themen in der Öffentlichkeiten zu bringen beziehungsweise zu beeinflussen. Bestes Beispiel: #metoo. Denn ohne den ausschlaggebenden Hashtags bleiben viele Beiträge auf Insta und Co. unauffindbar.

Das revolutionärste am Hashtag ist aber vielleicht die Tatsache, dass jeder ihn danach benutzen kann, wodurch sich völlig neue Informationsdynamiken bilden können, Abseits von Einschränkungen wie Einkommensverhältnissen, Gendergrenzen und ethnischen Restriktionen. Fast scheint es, als sei ein Hashtag die virtuelle Ausdrucksform eines Kollektivs, der kleinste gemeinsame Nenner – der sich in jüngster Vergangenheit immer häufiger vom Netz auf die Straße verlegt hat.

Wie eng die viralen Hashtags mit ihren Bildern verknüpft sind, zeigen die ausgewählten Fotos in der Ausstellung #ProtestsGoViral. Die Ausstellung basiert nur auf Posts, die Hashtags auf Instagram verwenden, die besonders viral gegangen sind. Und weil Social Media sich rasend schnell verändert, werden auch in der Ausstellung alle Bilder und Social-Media-Beiträge im Minutentakt aktualisiert. Ein spannendes Projekt, das wir in Museen in Zukunft vielleicht häufiger sehen werden.

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Die Ausstellung "#ProtestsGoViral" kannst du zwischen dem 25. September 2020 und 3. Januar 2021 im Haus der Photographie in den Deichtorhallen Hamburg besuchen. Mehr Infos über Tickets und Eintritt gibt es hier.

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  • Quelle:
  • Noizz.de