Sein Mode-Konzern ist einer der erfolgreichsten der Welt – und einer der umstrittensten.

Der Gründer der irischen Modekette Primark, Arthur Ryan, ist am Montag im Alter von 83 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Das bestätigte ein Sprecher des Primark-Mutterkonzerns ABF (Associated British Foods) auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Ryan eröffnete den ersten Laden in 1969 in Dublin, wo die Textil-Discounterkette bis heute unter dem Namen Penneys firmiert.

Zurückgezogen und knickerig

Ryan galt als medienscheu und führte ein zurückgezogenes Leben. Er galt als knauserig. Ein Weggefährte beschrieb ihn als einen "Typen, der die Pennies zählte". ABF-Chef George Weston würdigte ihn in einer Mitteilung als "einen der echten Giganten des Einzelhandels".

Der aktuelle Primark-Chef Paul Marchant sagte: "Arthur Ryan war ein wirklich begabter Einzelhändler und ein visionärer Anführer. Er war ein echter Pionier im Einzelhandel. Er hat Innovationen hervorgebracht und war trotz vieler Erfolge nie selbstgefällig. Er hat uns alle herausgefordert, die Besten zu sein, die wir sein können."

Ryan hatte die Firma 40 Jahre lang als Chief Executive geführt. Vor zehn Jahren hatte er das Alltagsgeschäft abgegeben um Aufsichtsratsvorsitzender zu werden. Ryan sei dem Alltagsgeschäft jedoch "tief verbunden" geblieben teilte Primark-Chef Marchant mit. Regelmäßig habe er Filialen besucht und sich in den Läden umgesehen.

Ryan hatte die Billig-Textilkette Primark (in Irland Penneys) im Auftrag der wohlhabenden Weston-Familie aufgebaut. George Weston, Chef des Primark-Mutterkonzerns ABF, sagte laut BBC: "Als mein Großvater Garfield Weston und mein Onkel Galen Weston Arthur Ryan 1969 einstellten, um den ersten Penneys-Laden in Dublin zu führen, wussten sie, dass sie einen außergewöhnlichen Händler einstellten. Aber was drei Generationen der Weston-Familie in den folgenden Jahrzehnten lernten war, dass Arthur auch ein großartiger Leiter und Geschäftsaufbauer war, jeden Tag unerbittlich von dem Wunsch getrieben, seine Kunden zu erfreuen. Arthur Ryan hat Mode für alle erschwinglich gemacht, und sein Vermächtnis ist groß."

Ein Händler durch und durch

Ryan, geboren in Dublin, hatte die Schule der Christlichen Brüder besucht, bevor er nach London ging und dort in der Schneiderei Swan & Edgar arbeitete. Gegen Ende der 60er Jahre kam er nach Dublin zurück und arbeitete im Einzelhandel.

Ein langjähriger Geschäftspartner erinnerte sich in der "Irish Times", Ryan habe einige Grundsätze des Massentextilhandels immer beherzigt, die man ihm früh beigebracht habe: "Kaufe massenhaft und verkaufe es billig. Kaufe nicht, was dir selber gefällt. Und wenn es sich nicht verkauft, werde es schnell los."

Sohn und Enkel ertranken bei Angelausflug

Ryan war öffentlichkeitsscheu, gab keine Interviews und es existieren nur wenige Fotos von ihm. Laut "Irish Time"s hatte er zeitlebens Angst, entführt zu werden. Er war immer mit mindestens einem Leibwächter unterwegs, seine Termine waren nur einem kleinen Kreis an Mitarbeitern bekannt. Oft besuchte er inkognito Primark-Filialen.

Ryan war zweimal verheiratet. In zweiter Ehe war er verheiratet mit der Sängerin Alma Carroll. Im Juni 2013 erlebte Ryan eine schwere Tragödie: Sein Sohn aus erster Ehe, sein Enkel und dessen Freundin ertranken bei einem Angelausflug an die Felsen vor Cork.

Ryans Unternehmen Primark/Penneys hat heute 370 Filialen in zwölf Ländern und beschäftigt mehr als 75.000 Mitarbeiter. Regelmäßig steht es wegen seiner Arbeitsbedingungen in der Kritik. Auch die Produktion in Billiglohn-Ländern in Asien und die Verletzung von Umweltstandards riefen regelmäßig Proteste und Boykott-Aufrufe hervor.

>> Wie Primark plötzlich Achtung vor Mensch und Umwelt vortäuscht

>> Primark-Eröffnung: So kreativ wehren sich die Nachbarläden

[Text: Zusammen mit dpa]

Quelle: Noizz.de