Von wegen friedliche Hipster-Patrioten!

Mitglieder der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ haben in der Nacht zum Dienstag in Halle Jagd auf Angreifer gemacht – und machten nicht einmal vor der Polizei halt. Zwei Beamte konnten sie erst mit gezückten Dienstpistolen stoppen, berichtet die „Mitteldeutsche Zeitung“ (MZ).

Damit handelt es sich um eine neue Eskalationsstufe im Konflikt um ein Schulungszentrum der Identitären. Gegen das Hausprojekt der vom Verfassungsschutz beobachteten Bewegung regt sich seit Monaten Widerstand. Neben offenen Briefen und friedlichem Protest kam es auch zu Angriffen auf das Haus – so wie wohl auch jetzt.

Die Polizei schildert in einer Pressemitteilung den Vorfall. Demnach kam die Polizei am Montag kurz nach 23 Uhr zum Einsatz, als es in der Adam-Kuckhoff-Straße zu Pöbeleien und gegenseitigen Flaschenwürfen zwischen mehreren Personen kam. Wer genau die Gegner der Identitären waren, verriet die Polizei auch auf Nachfrage von NOIZZ nicht, da noch ermittelt wird.

Nach Eintreffen der Polizei kamen zwei maskierte Männer aus dem Identitären-Haus und trugen Schutzschild, Schutzhelm und Baseballschläger mit sich. Als die Polizisten diese beiden stellen wollten, setzten die Männer im Alter von 27 und 29 Jahren Pfefferspray gegen die Beamten ein.

Die MZ berichtet, dass die beiden Beamten die Identitären erst dadurch stoppen konnten, dass sie ihre Dienstpistolen zogen. Die Beamten mussten daraufhin ambulant behandelt werden. Laut Polizei laufen Ermittlungen wegen Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung.

Damit brechen die Identitären wieder einmal das eigene Image von einer friedlichen und intellektuellen Bewegung. Mit PR-Aktionen wie vermeintlichen Besetzungen wie etwa des Justizministeriums oder des Brandenburger Tors inszenieren sie sich als kreative Protestler.

Dabei tummeln sich unter den Anhängern bekannte Nazis. In Deutschland wird die Gruppierung vom Verfassungsschutz beobachtet. „Wir sehen bei der ‚Identitären Bewegung‘ Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung“, erklärte der Chef der Behörde Hans-Georg Maaßen.

Wie Recherchen der „Zeit“ ergaben, kooperiert auch die AfD mit den Identitären. In Halle ist das ebenfalls deutlich zu sehen. Ausgerechnet in dem umkämpften Hausprojekt der Identitären hat der AfD-Landtagsabgeordnete Hans-Thomas Tillschneider sein Büro eingerichtet.

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung