Dieses Gerichtsurteil könnte eine Revolution für die deutsche Sprache werden!

Ob "Kontoinhaber" oder "Einzahler" – in Bankformularen wimmelt es von männlichen Bezeichnungen. Einer Seniorin aus dem Saarland stinkt das. Und zwar so gewaltig, dass sie jetzt ihre Sparkasse verklagt! Der Grund: Sie fühlt sich von diesen männlichen Bezeichnungen nicht angesprochen.

Der Fall wird am Dienstag vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe verhandet. "Es geht ums Prinzip", sagt ihr Anwalt Wendt Nassall. Um Gleichbehandlung, wie es das Gesetz vorschreibt.

In Gesprächen und persönlichen Briefen wird die Seniorin bereits als "Frau" angesprochen. Doch nun will sie auch auf Formularen als "Kontoinhaberin" oder "Einzahlerin" bezeichnet werden. Die korrekte Ansprache zähle zum Persönlichkeitsrecht.

"Es ist unfassbar, dass alle Geschlechter 2018 noch als Männer angesprochen werden." Nur "mitgemeint" sei nicht genug, sagt Stevie Schmiedel, Gründerin der Initiative "Pinkstinks". Seit Jahren setzt sie sich gegen Geschlechterklischees ein und unterstützt die Klage.

Der Dachverband der Sparkassen hingegen, versteht die Aufregung nicht. Verträge etwa seien rechtlich komplexe Texte, die "im Satzbau durch die Verwendung beider Geschlechter zusätzlich verkompliziert würden. Deswegen wird bei diesen Formularen eine einheitliche Form der Ansprache gewählt", erläutert Sprecher Stefan Marotzke.

Um überhaupt zum Bundesgerichtshof zu kommen, hat die Klägerin bereits einen langen Weg hinter sich. Das Landgericht Saarbrücken wies die Klage in zweiter Instanz zurück. Begründung: Das generische Maskulinum wird bereits seit 2000 Jahren als "Kollektivform" verwendet.

Doch das Argument ist skurril, findet etwa Mechtild Düsing vom Deutschen Anwaltverein: "Was vor 2000 Jahren richtig war, kann heute nicht mehr richtig sein."

Doch was passiert, wenn das Gericht der Seniorin aus dem Saarland recht gibt? Dann müssten nicht nur 1600 Banken in Deutschland ihre Formulare ändern – sondern möglicherweise auch alle anderen Firmen, die mit dem verallgemeinernden Maskulinum arbeiten.

Erklärung gefällig? "Die geschlechtsneutrale Version sollte 'Kund*in' heißen, oder 'Kund_in'", meint Stevie Schmiedel. Doch warum nicht "Kund/in", "KundIn", das generische Femininum "Kundin", "Kund*" oder "KundX"? Die letzte Variante würde sogar die Vorgaben des Verfassungsgerichtes zum dritten Geschlecht berücktsichtigen, erklärt der Passauer Anwalt Stefan Loebisch.

Fazit zum komplizierten Fall: "Eine Ideallösung gibt es in dem Fall nicht", räumt die Redaktionsleiterin des Duden Kathrin Kunkel-Razum ein.

Quelle: Noizz.de