Jeder sollte das akzeptieren.

Es ist geiles Wetter, 31 Grad. Ich laufe durch Berlin-Neukölln und habe eine Zigarette in meiner Hand. Während ich durch die Straßen laufe, werfen mir die Leute strenge Blicke zu, die mir ein unangenehmes Gefühl bereiten. Sie schauen mich an ohne etwas zu sagen. Ich wundere mich: Habe ich etwas falsch gemacht?

Nach ein paar Minuten kommt mir ein Gedanke. Liegt es daran, dass ich nicht faste? Schließlich zählt zum Fasten auch der Verzicht auf Zigaretten. Das muss es sein. Das ist der Grund, dass die Menschen mich merkwürdig anschauen.

Ich laufe weiter und setze mich in ein Restaurant. Dort warte ich auf den Kellner, der mich zwar kurz anschaut, aber nicht reagiert. Ich beobachte ihn wie er hin und her läuft, ohne mich eines Blickes zu würdigen. Ich frage mich, ob er mich wirklich nicht gesehen hat oder mich nicht beachtet, weil ich arabisch aussehe und gerade Ramadan ist. Schließlich fasten viele Muslime in dieser Zeit bis zum Sonnenuntergang.

Nachdem ich ihn 15 Minuten auffordernd mit verschränkten Armen angeschaut habe, kommt er endlich an meinen Tisch und ich kann mir etwas bestellen. Der Kellner wirkt irritiert. Während ich auf den Kellner gewartet habe, sind ein paar amerikanische und deutsche Kunden gekommen. Auf sie reagierte der Kellner sofort und sie konnten zügig bestellen.

Ich kann die Reaktion des Kellners zwar nachvollziehen, schließlich sind viele Muslime der Meinung, dass ALLE Muslime während des Ramadan auf Essen und Trinken verzichten sollten. Sie vergessen dabei aber, dass es auch Muslime gibt, die - so wie ich - nicht fasten wollen oder können. Und dafür sollten sie Verständnis haben.

Da ich viel arbeite, ist es mir nicht möglich, 18 Stunden ohne Wasser und Essen auszukommen. Das Fasten bereitet mir häufig Kopfschmerzen und ich kann mich kaum konzentrieren. Auch wenn ich nicht faste, bleibe ich Moslem und es steht niemandem zu, das anzuzweifeln.

Ich hätte mir von dem Kellner gewünscht, dass er mich genauso behandelt, wie die anderen Gäste. Wer als Kellner kein Verständnis für Menschen wie mich hat, der sollte an Ramadan lieber zuhause bleiben. Denn ob ich als Araber faste oder nicht - das bleibt einzig und allein meine private Entscheidung.

Quelle: Noizz.de