Die Bundesregierung will kostenlose Busse und Bahnen testen!

Da wird sich die Berliner Verkehrsgesellschaft BVG aber richtig ärgern: Gerade erst haben die Marketing-Füchse einen schicken Sneaker veröffentlicht, der gleichzeitig auch als Fahrkarte dient – doch jetzt könnte ausgerechnet die Bundesregierung die schicken Treter unbrauchbar machen!

Denn ein neuer Vorschlag will kostenloses Bus- und Bahnfahren in Deutschland ermöglichen, um gegen Feinstaub und Stickoxide in den Innenstädten vorzugehen. Doch kann das klappen? Und was würde der Tod des Schwazfahrens den Staat kosten? NOIZZ bringt euch auf den aktuellen Öffi-Stand!

Die Idee geht aus einem Brief von Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD), Verkehrsminister Christian Schmidt (CSU) und Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) an EU-Umweltkommissar Karmenu Vella hervor. Die Wirkung für eine bessere Luft soll in fünf Modellstädten getestet werden - und zwar in Bonn, Essen, Herrenberg, Reutlingen und Mannheim.

Doch während sich potenzielle Nutzer freuen, warnen Experten vor dem kostenlosen ÖPNV. Um die Kosten nicht explodieren zu lassen, könnten die Städte ihre Angebote reduzieren. Und das würde vor allem die Nutzer treffen.

"Noch stärker überfüllte Busse und Bahnen zu den Spitzenzeiten würden bei den Kunden zu unglaublicher Frustration führen", sagt Bastian Chlond vom Karlsruher Institut für Verkehrswesen.

Zweites Problem: Die Kosten für kostenloses Bus- und Bahnfahren hauen richtig rein! Den Preis würde der Bund tragen müssen, warnt etwa der Grüne Verkehrsminister Winfried Hermann in Baden-Württemberg: "ÖPNV zum Nulltarif würden die Kommunen nur mit tatkräftiger finanzieller Unterstützung durch den Bund anbieten können", sagte er in Stuttgart.

Auch die geplanten Modellstädte fürchten sich vor den Kosten. Um das Projekt zu testen, hat sich die Regierung Mannheim als geplante Modellstadt augesucht. Doch selbst dort glaubt man nicht, dass kostenloses Fahren kurzfristig umsetzbar ist.

"Als schnell umsetzbare und kurzfristig wirksame Maßnahme sehe ich nur Verbesserungen im ÖPNV - dazu zählen zum Beispiel attraktive Fahrpreise, dichtere Takte und neue Verbindungen", sagte Bürgermeister Christian Specht.

Die Städte fürchten sich vor allem vor den horrenden Mehrausgaben: Denn wenn der Rhein-Necker-Bund seine öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos anbieten würde, würde das rund 300 Millionen Euro pro Jahr kosten - ohne Ausgaben für Instandhaltung und Ausbau.

Richtig teuer würde der kostenlose ÖPNV auch für die Stadt Hamburg werden: Der Hamburger Verkehrsverbund HVV verdient durch den Ticket-Verkauf jährlich rund 830 Millionen Euro. "Das ist in etwa eine 'Elphi" pro Jahr", erklärt ein HVV-Sprecher. Diese Mittel müssten beim Gratis-Angebot zusätzlich vom Steuerzahler aufgebracht werden. Die Elbphilharmonie hatte knapp 800 Millionen Euro gekostet.

[Text: zusammen mit dpa]

Quelle: Noizz.de