Bei der Abschlussshow des Masterstudiengangs Modedesign des New Yorker Fashion Institute of Technology sollte das Schwarze Model Amy Lefevre bizarre Accessoires tragen, die sie und mehrere Studierende als rassistisch auffassten. Der Designer habe "hässliche Merkmale des Körpers" hervorheben wollen.

Amy Lefevre ist kein Neuling im Model-Business. Die New Yorkerin kennt die Fashion-Welt seit vier Jahren und hat in dieser Zeit Mode auf mehr als 20 Laufstegen präsentiert. Ihre letzte Runway-Show wird ihr aber wohl noch lange negativ im Gedächtnis bleiben: Bei der Abschlusspräsentation der ersten Master-Absolventenklasse in Modedesign am Fashion Institute of Technology (FIT) musste sich das Schwarze Model gegen "rassistische" Accessoires wehren.

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Die Show sollte eigentlich der krönende Abschluss des Studiums der zehn Absolventen des "Master of Fine Arts"-Studiengangs sein. Was sich während der New York Fashion Week in den Pier59 Studios in Manhattan dann aber abspielte, sorgt jetzt für einen regelrechten Shitstorm. Models sollten während der Vorführung der Kollektion eines Studenten auf dem Laufsteg riesige Affenohren und überdimensional große Lippen tragen, die aus einem Sexspielzeug hergestellt wurden.

Amy Lefevre in den Designs von Junkai Huang – ohne die "rassistischen" Accessoires

Der "New York Post" erzählte Amy Lefevre, dass sie dem Personal erklärte, dass sie sich unglaublich unwohl fühle, die Accessoires tragen zu müssen, und dass diese eindeutig rassistisch seien. "Man sagte mir, dass es in Ordnung sei, sich einmal 45 Sekunden lang unwohl zu fühlen", so das 25-jährige Model weiter. Während die weißen Models die Accessoires trugen, ging Lefevre ohne die bizarren Teile über den Laufsteg – und verließ die Venue sofort nach der Show.

Geleitet wurde die Show vom FIT-Professor und Vorsitzenden des Masterstudiengangs Jonathan Kyle Farmer, produziert von dem Kreativdirektor der Agentur "Names Ldn", Richard Thornn. Die Designs, die von den bizarren Accessoires "gekrönt" werden sollten, stammen von Junkai Huang, einem FIT-Absolventen aus China. Zeugen behaupteten, er selbst schien die rassistischen Töne in seiner Arbeit nicht verstanden zu haben. Huang habe beabsichtigt "hässliche Merkmale des Körpers" hervorzuheben.

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Ein Model trägt die Entwürfe von Junkai Huang inklusive der umstrittenen Accessoires während der FIT-Modeschau in New York

Ein anonymer Absolvent unterstützte Lefevres Version der Ereignisse gegenüber der "New York Post": Mehrere Studenten hätten bereits am Tag vor der Veranstaltung ihre Einwände gegen die Accessoires deutlich gemacht. "Wir haben es [Thornn] mehrmals gesagt. Wir sagten, dass sie das nicht tragen kann. Es ist falsch. Er schrie mir ins Gesicht: 'Halt dich hier raus und geh weg.' So ein gravierender Mangel an Urteilsvermögen", so der Student weiter.

Nach Aussage Lefevres sei ihre Agentur, Q Model Management, "wütend" gewesen, nachdem sie erzählt hatte, was passiert war. Gegenüber der "New York Post" erklärte eine Vertreterin der Agentur jedoch, sie hätten "widersprüchliche Berichte" über den Vorfall erhalten, was darauf hindeute, dass Lefevres Aussagen unzuverlässig sei. Lefevre hingegen glaubt, Q Model Management wolle einfach seinen Namen aus der gesamten Affaire halten.

"So habe ich mich noch nie in meinem Leben gefühlt. People of Color kämpfen im Jahr 2020 zu sehr darum, dass die Veranstalter die Accessoires für die Shows nicht überprüft und freigegeben haben", so Lefevrel gegenüber der "New York Post". Mittlerweile äußerte sich auch der FIT-Präsidentin Dr. Joyce F. Brown: Man nehme die Anschuldigungen sehr, sehr ernst und werde jede Beschwerde oder Besorgnis, die in dieser Situation vorgebracht wird, untersuchen und entsprechende Maßnahmen ergreifen.

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Quelle: Noizz.de