Nach den „Panama Papers“ kommt jetzt der nächste Knall.

Unter dem Titel „Paradise Papers“ hat das Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ) neue Recherchen veröffentlicht. Sie beruhen auf einem Datensatz von 13,4 Millionen Dokumenten – sagenhaften 1,4 Terrabyte.

Diese stammen von der Anwaltskanzleri Appleby, die ihren Sitz auf den Bermudas hat. Dazu kommen Daten des Treuhand-Unternehmens „Asiaciti Trust“ (Singapur) und Unternehmensregister aus 19 Steueroasen.

Die Datensätze zeigen: An allen Ecken und Enden werden Steuern gespart und Offshore-Konstruktionen genutzt. Hier ist ein Überblick über die neuesten Enthüllungen:

1. US-Handelsminister betroffen

Wie aus den Datensätzen hervorgeht, profitierte der aktuelle amerikanische Handelsminister Wilbur Ross von Geschäften mit dem russischen Energie-Konzern „Sibur“. Dieser gehört dem Schwiegersohn des russischen Präsidenten Wladimir Putin und kremlnahen Geschäftsleuten.

So hält der Trump-Minister 31 Prozent an jener Reederei, die für dieses Unternehmen Öl transportierte. Im Januar legte Wilbur diese Anteile offen, verschwieg aber Verbindungen zu „Sibur“.

Die Geschäftsbeziehungen nach Russland sollen in der Zeit ausgebaut worden sein, als die USA und andere westliche Regierungen schärfere Sanktionen gegen Russland verhängten – wegen des Einmarsches in der Ostukraine.

Diese Enthüllung könnten nun neuen Schwung in die Untersuchungen der Kontakte zwischen Trumps-Wahlkampfteam und der russischen Regierung bringen.

2. Nike und Apple mittendrin

Der beliebte US-Sportartikelhersteller „Nike“ schaffte es laut „Paradise Papers“, durch Tricks seine Steuerquote auf 13,2 Prozent zu drücken. Hierzu baute das Unternehmen zunächst auf den Bermudas, dann in den Niederlanden ein ausgeklügeltes Steuer-Spar-System auf.

Zu den Kunden von Appleby gehörten angeblich auch „Facebook“, „Uber“ und „Whirlpool“.

Laut bislang geheimen E-Mails suchte der Technologie-Riese „Apple“ nach einem neuen Standort im Ausland, wo garantiert keine Steuern anfallen. Der Schweizer Rohstoffkonzern „Glencore“ soll bei einem Deal in Kongo ein Schmiergeld im dreistelligen Millionenbereich gezahlt haben.

Apple und Nike betonten auf Anfrage, sich an geltendes Recht zu halten.

3. Kreml investierte in Facebook und Twitter

Juri Milner, ein russischer Star-Investor, wurde bei seinem Einstieg bei Twitter und Facebook offenbar mit Hunderten Millionen Dollar vom Kreml ausgestattet. Während die Finanzierung des Twitter-Einstiegs über die Staatsbank VTB erfolgte, trug „Gazprom“ (auch ein Staatsunternehmen) das Investment bei Facebook.

Das Thema ist brisant, weil die Social-Media-Unternehmen derzeit in der Kritik stehen, zu wenig gegen die Beeinflussung des US-Wahlkamps durch Russland unternommen zu haben. Milner hat seine Anteile mittlerweile verkauft.

4. Auch die Queen indirekt betroffen

Die Vermögensverwalter der Queen investierten laut „Paradise Papers“ eine Firma, die Haushaltsgüter über Ratenzahlungen verkauft. Die Zinssätze liegen hier bei bis zu 99,9 Prozent. Beamte der Queen erklärten auf Anfrage, dass ihnen nicht bewusst gewesen sei, dass sie über einen Fonds auf den Cayman-Inseln an der Firma beteiligt gewesen seien.

5. Deutsche in den Unterlagen

Wie die SZ und „Der Spiegel“ schreiben, führen die Dokumente „zu rund tausend Kunden, Begünstigten oder anderweitig Involvierten“ in Deutschland.

Besonders brisant sind die Unterlagen zur Milliardsfamilie Engelhorn, die noch mehr Geld hinterzogen haben soll, als zuvor in einem der größten Steuerstrafverfahren der deutschen Geschichte festgestellt wurde.

Auch Glücksspiel-Unternehmer Paul Gauselmann ist betroffen: Die Dokumente offenbaren, wie er Offshore-Konstruktionen nutzte, um Geld mit dem in Deutschland größtenteils verbotenen Online-Glücksspiel zu verdienen.

6. Gibt es strafrechtliche Folgen?

Wie die SZ einräumte, ist das Auftauchen der Dokumente nicht gleichbedeutend mit rechtlichem und/oder moralischem Fehlverhalten. So bewegen sich viele Steuertricks in einer rechtlichen Grauzone oder sind faktisch legal.

Quelle: Süddeutsche Zeitung