Das Comeback von Rapper Lil Uzi hätte nicht besser laufen können. Auch in der zweiten Woche nach Release von "Eternal Atake" ist der Rapper auf Platz eins in den USA. Dafür hat Uzi allerdings ein Schlupfloch im Chart-System entdeckt, das bisher keiner bemerkt hat.

Drei Jahre waren seit seinem letzten Album vergangen und ganze zwei davon mussten Fans damit verbringen, um auf den Nachfolger von "Luv is Rage 2" zu bangen. Denn Probleme mit seinem Label machten es Uzi lange Zeit nicht möglich, weitere Musik zu veröffentlichen. Was genau los war, ist bis heute nicht klar. Zwischendrin kündigte Uzi via Social Media sogar an, dass "Eternal Atake" niemals rauskommen würde und er auch keine Musik mehr machen will. "EA" wurde jedenfalls zum Phänomen und einem der gehyptesten Alben der Welt.

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Und dann war es auf einmal da; seit dem 6. März ist es tatsächlich draußen. Die einen sind enttäuscht, die anderen begeistert. So oder so: Die neuen Uzi-Songs werden gestreamt ohne Ende und der Rapper kann sich nun über die zweite Woche in Folge auf Platz eins der Billboard-Charts freuen. Wovon bei all dem Hype bisher keiner redet, ist die Grauzone im Chartsystem, die er sich zu eigen gemacht hat.

Wie Uzi die Charts ausgetrickst hat und warum das für die Kunst einfach scheiße ist:

Lil Uzi Vert

"Eternal Atake" in der Deluxe-Version: "Lil Uzi Vert vs. the World 2"

Gängiger Move im Musikbusiness 2020: Wenn Mainstream-Künstler ein Album droppen, dann folgt eine Woche später eine Deluxe-Version mit Bonussongs oder neuen Features. In der Regel sind das so um die fünf neue Lieder. Das Erscheinen einer Deluxe-Version ist an sich schon ein smarter Promomove, mit dem man noch mal Werbung und Aufmerksamkeit für das eigentliche Album generiert. Die neuen Songs zählen zudem zum "Verkauf" des Albums und pushen das Teil noch mal in den Charts. Fans freuen sich im besten Fall über neue Songs, oft ist das Bonus-Material aber auch einfach schlecht und man hört sofort, wieso es nicht Teil des eigentlichen Releases war.

Tja, und was macht Uzi? Der droppt einfach eine Woche nach "Eternal Atake" ein komplettes, neues Album: "Lil Uzi Vert vs. the World 2", den Nachfolger seines Meisterwerks von 2016. Anstatt es aber als das eigenständige Projekt zu releasen, das es ist, verbucht er das Teil unter "Eternal Atake Deluxe Version". Heißt im Klartext: Da sind gerade zwei neue Uzi-Alben rausgekommen, die stilistisch nichts miteinander zu tun haben, aber in den Charts trotzdem beide unter einem Namen laufen – und dementsprechend richtig viele Streams für "Eternal Atake" reinholen.

Lil Uzi stellt Kommerz über Kunst

Wie "hiphop.dx" berichtet, hätte Uzi nach aktueller Chartlage wohl auch ohne schlauen Move in Woche zwei die Poleposition besetzt. Die Aktion zeigt, dass kommerzieller Erfolg und Auszeichnungen mehr wert sind, als künstlerischer Anspruch. Bei den normalen Deluxe-Versionen ist es schon so, dass sie die Qualität der Alben in der Regel verwässern und am Ende sehr durchwachsene Projekte mit übertriebener Überlänge bleiben. Aber Uzi schießt den Vogel ab: Der haut einfach 32 Songs auf einen Schlag raus, nennt es "Deluxe". Vermutlich nur, um krass zu charten.

@Spotify, könnt ihr da bitte irgendwas machen? Ich will keine schludrigen 30-Song-Kollektionen von meinen Lieblingskünstlern, ich will kompakte, konsistente Kunstwerke.

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Quelle: Noizz.de