Nach 38 Jahren Diskussion.

Die zweite Zeile der englischen Version der kanadischen Nationalhymne „O Canada“ wird jetzt geschlechtsneutral. Statt Patriotismus „in all deinen Söhnen“ werden die Kanadier künftig von Vaterlandsliebe „in uns allen“ singen.

Die fragliche Zeile, die noch aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg stammt und an die gefallenen Soldaten erinnern soll, sorgte schon lange für Diskussionen. Viele Menschen fühlten sich durch das Wort „Söhne“ diskriminiert.  Seit „O Canada“ 1980 zur Nationalhymne wurde, wurden dem kanadischen Parlament bereits zwölf Gesetzesvorlagen für eine Änderung der Zeile vorgelegt. Alle Versuche scheiterten.

Nun stimmte das kanadische Parlament, trotz Widerstand der oppositionellen Konservativen, einem Entwurf des liberalen Abgeordneten Mauril Bélanger zu. Bélanger, der mittlerweile verstorben ist, wurde damit „sein letzter Wunsch“ erfüllt, wie die kanadische Presse mitteilte.

Die Unterstützer der Gesetzesvorlage sind begeistert. Die unabhängige Senatorin Frances Lankin sagte gegenüber BBC: „Ich bin sehr, sehr glücklich“. Zwar handele es sich nur um die Änderung zweier Wörter, doch sei das ein großer Schritt, so Lankin.

Auch die Bestsellerautorin Margaret E. Atwood, die sich in einer Kampagne für einen neuen Hymnen-Text eingesetzt hat, jubelte auf Twitter über „Gleichheit aller Kanadier“.

Kanada ist nicht das erste Land, dass seine Hymne geändert hat. Seit 2012 singt auch Österreich nicht mehr von der „Heimat großer Söhne“, sondern auch „großer Töchter“.

Wird es da nicht auch für Deutschland Zeit, über eine Änderung der Nationalhymne nachzudenken und statt „brüderlich“, „gemeinschaftlich mit Herz und Hand“ zu singen?

Immerhin ist das Singen der Hymne eines Landes mehr, als nur ein Ritual bei internationalen Sportereignissen und offiziellen Anlässen. Die Nationalhymne repräsentiert einen Staat auf musikalische Weise – und in dem leben eben nicht nur „Brüder“, sondern ebenso viele "Schwestern".

Quelle: Noizz.de