Der Jemen leidet unter der größten humanitären Krise der Welt – aber weil die globale Aufmerksamkeit gerade komplett auf die Corona-Krise und Black-Lives-Matter-Proteste gerichtet ist, geht die Notsituation, in der sich das Land befindet, medial unter. Dabei steht es am Abgrund.

Stellt euch vor, eurer Land wird von einer Cholera-Epidemie, einer Corona-Pandemie, einer Hungersnot und einem seit mehreren Jahren wütenden Krieg heimgesucht. Alles gleichzeitig. Was klingt, wie ein abstruser Weltuntergangsfilm ist bittere Realität: Der Jemen leidet unter der schlimmsten humanitären Krise seit 100 Jahren. Das Gesundheitssystem liegt in Trümmern: Krankenhäuser wurden bombardiert, viele Ärzt*innen sind längst geflohen. Menschen verhungern.

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Die Bevölkerung wird noch Jahrzehnte leiden

Der anhaltende Krieg und die Bombardierungen werfen das Bürgerkriegsland nach Ansicht der Hilfsorganisation Handicap International (HI) um eine ganze Generation zurück. "Selbst wenn der Krieg im Jemen heute enden würde, werden die Menschen an den Folgen der zerstörten Straßen, Brücken, Krankenhäuser und Häfen Jahrzehnte lang leiden", sagte die Leiterin der politischen Abteilung von HI Deutschland, Eva Maria Fischer, am Freitag gegenüber der Deutschen Presseagentur. "Die Schäden an der Infrastruktur haben die humanitären Bedürfnisse im Land weiter verschärft."

Wie hoch ist die Dunkelziffer der Infizierten?

Trotz des jüngsten Aufrufs von UN-Generalsekretär António Guterres zu einem globalen Waffenstillstand geht der Konflikt in dem Land auf der Arabischen Halbinsel in sein fünftes Jahr und bleibt eine der schlimmsten humanitären Krisen der Welt. Ein Großteil der 28 Millionen Einwohner leidet unter dem Bürgerkrieg, in dem unter anderem Huthi-Milizen gegen die von Saudi-Arabien unterstützte international anerkannte Regierung kämpfen. Rund 80 Prozent der Bevölkerung sind nach Angaben der UN auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die Corona-Pandemie verschlimmert die Lage. Offiziell sind im Jemen bislang mehr als 800 Infizierte gemeldet. Die Dunkelziffer dürfte aber deutlich höher sein.

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[Text zusammen mit: dpa]

  • Quelle:
  • Noizz.de