Viele kannten die Warnsignale der Tsunami-Sirenen gar nicht ...

In Indonesien fehlt es nach der Tsunami-Katastrophe an allem: Mit bloßen Händen graben die Helfer nach Überlebenden.

Das riesige Land mit mehr als 255 Millionen Einwohnern bittet um internationale Hilfe. Die Zahl der Todesopfer steigt. Viele fühlen sich an die Tsunami-Katastrophe zur Weihnachtszeit im Jahr 2004 erinnert. Damals starben in mehreren Regionen Indonesiens, Thailands sowie Sri Lankas fast 230.000 Menschen. Millionen wurden obdachlos.

Die Zeit, um in den Trümmern von eingestürzten oder weggeschwemmten Häusern noch Überlebende zu finden, wird immer knapper. Zudem gelangten die Einsatzkräfte erst nach und nach in die Gebiete, in denen die Serie von Erdbeben am vergangenen Freitag besonders schlimm war. Nach der jüngsten offiziellen Zwischenbilanz kamen auf Indonesiens viertgrößter Insel Sulawesi mindestens 844 Menschen ums Leben.

Die Regierung fürchtet, dass die Zahl der Toten in die Tausende steigt. Ob unter den Opfern auch Ausländer sind, ist bislang nicht bekannt. Eine Gruppe von deutschen Urlaubern in einem Tauch-Resort überstand die Katastrophe unverletzt.

In dem Katastrophengebiet fehlt es an den wichtigsten Dingen. Der Leiter der staatlichen Suchtrupps in der Stadt Palu, Nugroho Budi Wiryanto, klagte: „Es gibt kaum schweres Gerät und praktisch keinen Treibstoff. Das macht uns die Rettung von Opfern sehr schwer.“ Zudem gibt es vielerorts immer noch keinen Strom. Inzwischen wurde mit der Aushebung von Massengräbern begonnen, um die Toten möglichst schnell unter die Erde zu bringen und so den Ausbruch von Epidemien zu verhindern.

Hat das Warnsystem versagt?

Zugleich wehrten sich die indonesischen Behörden gegen Kritik am Warnsystem. Die Leiterin der zuständigen Agentur für Meteorologie, Klima und Geophysik (BMKG) rechtfertigte die Entscheidung, die Tsunami-Warnung am Freitagabend nach einer halben Stunde wieder aufzuheben. Behördenchefin Dwirkorita Karnawati sagte der Zeitung „Jakarta Post“: „Der Strand von Palu wurde in der Dämmerung von drei Wellen erfasst. Das hat zweieinhalb Minuten gedauert.“ Die Tsunami-Warnung sei erst danach aufgehoben worden.

Für die meisten Einwohner sind Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche keine neue Erfahrung: Indonesien liegt auf dem Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde. Trotzdem beklagen viele Experten, dass die Bevölkerung für den Katastrophen-Fall oft nur unzureichend vorbereitet sei.

Auf tagesschau.de wies Gavin Sullivan von der britischen Universität Coventry, die an dem Projekt zu Katastrophenvorbereitung in der indonesischen Stadt Bandung beteiligt ist, darauf hin, dass viele Menschen den Alarm nicht richtig einordnen konnten.

„Die indonesischen Kollegen haben berichtet, dass die Menschen irritiert waren, was sie mit dem Alarm anfangen sollten“, so der Forscher. Viele Menschen seien während des Erdbebens am Strand geblieben, so lange, bis die Wellen sichtbar wurden. Mehrere Medien berichten auch über ein Festival am Strand von Palu. Dort habe es keine Sirenen gegeben und die Menschen hätten nichts von der Gefahr gewusst.

Das Tsunami-Warnsystem in Indonesien hat deutsche Wurzeln

Nach dem verheerenden Tsunami 2004 am Indischen Ozean wurde das Projekt GITEWS – German-Indonesian Tsunami Early Warning System (Deutsch-Indonesisches Tsunami Frühwarnsystem) – ins Leben gerufen. Federführend beteiligt war dabei das Geoforschungszentrum in Potsdam. 2011 wurde das System vollständig an Indonesien übergeben. Ein dreijähriges Anschlussprojekt sollte zudem sicherstellen, dass das System von Indonesien dann selbstständig weitergeführt werden kann.

Nach Angaben des Geoforschungszentrums hat das Frühwarnsystem nach dem jüngsten Beben binnen fünf Minuten eine Warnung vor einem Tsunami mit einer Höhe von 0,5 bis 3,0 Metern ausgegeben. Diese Warnmeldung sei dann auch in der gefährdeten Region verteilt worden. 20 Minuten nach dem Beben habe der Tsunami dann nach Angaben aus Jakarta die Küste erreicht.

Warum zahlreiche Menschen an der Küste trotzdem von der Welle überrascht wurden, ist den Potsdamer Forschern nach eigenen Angaben nicht bekannt.

[Text: Zusammen mit dpa]

Quelle: dpa