In Holland bist du ab sofort automatisch Organspender, wenn du volljährig wirst

Florian Gehm

Politik, Rap und Games
Teilen
101
Twittern
Ein Organspende-Ausweis kann Leben retten – auch verpflichtend! Foto: Daniel Maurer / dpa picture alliance

Auch in Deutschland wird dieses Vorgehen immer wieder heiß diskutiert!

Deutschland hat ein Spendenproblem: Die Zahl der Organspender hat 2017 einen neuen Tiefpunkt erreicht. Im vergangenen Jahr gab es nur 797 Spender, 60 weniger als im Vorjahr. Das ist der niedrigste Stand seit 20 Jahren.

In den Niederlanden wird dieses Problem zukünftig per Gesetz angegangen: Denn bei unseren Nachbarn macht ein neues Gesetz jeden Bürger zum Organspender. Jeder volljährige Niederländer wird automatisch als Spender registriert.

Diejenigen, die dieses Vorgehen ablehnen, müssen sich explizit melden. Das heftig umstrittene Gesetz wurde am Dienstag in Den Haag von der ersten Kammer des Parlaments mit knapper Mehrheit angenommen. Bislang müssen sich Menschen aktiv registrieren lassen, wenn sie nach ihrem Tod Organe für Transplantationen spenden wollen.

Die Initiatoren hoffen mit dem neuen System auf mehr Spenderorgane. Auch bei der neuen Regelung sollen Angehörige in Zweifelsfällen aber über die Entnahme von Organen mitbestimmen dürfen.

Bei der knappen Abstimmung sprachen sich 38 Abgeordnete für das neue Vorgehen aus; 36 Parlamentarierer stimmten dagegen. Die Zweite Kammer hatte bereits mit nur einer Stimme Mehrheit zugestimmt.

Auch in Deutschland steht eine solche Widerspruchslösung aufgrund der geringen Spenderzahlen immer wieder zur Debatte. Die Bundesärztekammer hält die Regelung "für durchaus zweckdienlich".

An der generellen Bereitschaft zur Spende dürfte dieses Verfahren nicht scheitern: 81 Prozent der Deutschen stehen einer Organ- oder Gewebespende positiv gegenüber, erklärt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) – doch nur ein Drittel trägt einen ausgefüllten Spenderausweis bei sich.

Ein Grund für diese Differenz ist das Misstrauen in die Transplantationsmedizin. Denn das ist seit dem Organspendeskandal 2012 stark gestiegen. Damals hatten Ärzte an mehreren deutschen Kliniken laut einem Prüfbericht Daten beeinflusst, damit ihre Patienten größere Chancen auf eine Spenderlunge haben.

Laut der BZgA ist das Ziel der Entscheidungslösung, die Bereitschaft zur Organspende zu fördern. Das soll durch eine „neutrale und ergebnisoffene Information aller Bürger erfolgen; jeder soll regelmäßig in die Lage versetzt werden, sich mit der Frage der eigenen Spendebereitschaft ernsthaft zu befassen und seine Entscheidung auch zu dokumentieren.“

Die Krankenkassen und Versicherungen sollen deshalb regelmäßig über die Organ- und Gewebespende informieren und Spendeausweise aushändigen. Das tun sie seit 2012 laut des Spitzenverbandes gesetzlicher Krankenkassen auch.

[Text: Zusammen mit dpa]

Quelle: Noizz.de