Hier erzählen Geflüchtete ihre Geschichte endlich mal selbst

Hannah Schwär

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Youtube ermöglicht Geflüchteten, ihre Geschichte zu erzählen Foto: Liana Dahdouh/ BAG - short stories in Berlin / YouTube

Sie wollen gehört werden!

Liana Dahdou sitzt alleine im Dunkeln, nur ihr Gesicht wird von einer Lampe angeleuchtet – wie bei einem Verhör. Die braunen Augen hat sie entschlossen auf die Kamera gerichtet, bereit, ihre Geschichte zu erzählen.

Die junge Syrerin Liana Dahdou ist Teilnehmerin des Video-Projekts „Erzähl deine Geschichte“, in dem Geflüchtete lernen, wie man Youtube-Videos produziert. YouTube hat zusammen mit der Schulungsplattform „The DO School“ fünf Geflüchtete im Alter von 17 bis 30 Jahren eine Woche nach Berlin eingeladen.

„Es gibt eine riesige Gruppe von Leuten, die hier in Deutschland lebt und über die viel geredet wird, deren eigene Stimme aber kaum gehört wird,“ sagt Programmleiter Ruven Steinfeld von „The DO School“.

Ziel des Video-Projekts sei es, Geflüchteten eine Plattform zu geben, über die sie sich in die Gesellschaft einbringen können. „Wenn wir mehr Empathie und Verständnis füreinander entwickeln, bringt uns das auch näher zusammen“, so Steinfeld.

Liana Dahdouh ist 2012 aus Damaskus über den Libanon in die Türkei geflohen. In Istanbul fand sie einen Job beim arabischen Sender MBC4 und arbeitete dort vier Jahre als TV-Moderatorin.

„Im Fernsehen sagst du immer nur das, was dir von anderen vorgegeben wird", sagt sie über die Zeit in Istanbul. „Bei Youtube hast du deinen eigenen Raum, um dich selbst zu verwirklichen.“

Ob Dahdouhs Stimme tatsächlich bei Youtube gehört wird, bleibt abzuwarten. Ihr erstes Video hat gerade einmal 27 Aufrufe – auch mit der Unterstützung von YouTube.

Einer, der mit seinen Videos schon mehr Erfolg hat, ist der syrische Videokünstler Firat Alshater. Mit seinem Comedy-Kanal „Zukar“ erreicht er mittlerweile über 22.500 Abonnenten. YouTube hat ihn deswegen als Coach für das Projekt „Erzähl deine Geschichte“ engagiert.

„Als ich damals angefangen habe, hatte ich auch nicht so viel Ahnung von YouTube. Zum Beispiel wie man mit Kommentaren umgeht, mit Hass, oder wie man neue Ideen entwickelt“, sagt Alshater.

Das Wissen, das er seit seinem YouTube-Debut im Januar 2016 gesammelt hat, möchte er an die jungen Geflüchteten weitergeben. Sie lernen dabei, wie man Videoideen entwickelt und umsetzt und was bei der Technik zu beachten ist.

Die deutsche Sprache sei nicht die einzige Herausforderung auf dem Weg zum YouTube-Erfolg: „Es ist schwer, in einem Land, in dem du niemanden kennst, von null anzufangen“, sagt Alshater. „Aber das größere Thema, das gerade läuft, ist der Umgang mit Hass.“

Von Hasskommentaren lässt sich Firas Alshater nicht beeindrucken, denn für die hat er nur eine Antwort:

Wie Firas Alshater mit Hasskommentaren umgeht Foto: Hannah Schwär / Noizz.de

Quelle: Noizz.de

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