Schauspielerin Halle Berrys hat sich nach viel Kritik an einer geplanten trans* Rolle entschieden, diese nun doch nicht anzunehmen. Warum war dieser Schritt so wichtig? Und warum sollten nur trans* Personen trans* Rollen spielen?

Die US-amerikanische Schauspielerin Halle Berry will sich nach heftiger Kritik doch nicht um eine trans* Rolle bemühen. Als Cisgender-Frau verstehe sie jetzt, dass sie diese Rolle nicht hätte in Betracht ziehen sollen, entschuldigte sich die 53-Jährige bei Twitter.

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Wer sich als "Cisgender" oder "Cis-Mensch" bezeichnet, identifiziert sich mit dem Geschlecht, das ihm oder ihr bei der Geburt zugewiesen wurde. "Die Transgender-Community sollte ohne Zweifel die Gelegenheit haben, ihre eigenen Geschichten zu erzählen", schrieb Berry als Begründung.

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Warum wollte Berry die trans* Rolle spielen?

In einem Interview auf Instagram hatte die Oscar-Gewinnerin am Freitag von ihrer nächsten möglichen Rolle erzählt: "Sie ist eine Frau, die sich in einen Mann gewandelt hat." Weiter sagte Berry: "Das ist eine Frau. Das ist eine weibliche Geschichte." Sie wolle das "warum" und "wie" verstehen, "diese Welt" erleben, verstehen und tief in sie eintauchen.

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Wofür wird sie kritisiert?

Unter anderem für dieses "misgendern" – also das Ansprechen mit dem falschen Geschlecht, das viele Betroffene als verletzend empfinden – wurde sie in den sozialen Medien daraufhin kritisiert. Trans* Menschen bräuchten Berry nicht, um für sie zu sprechen, wurde in den Kommentaren auf Instagram etwa kritisiert. Oder: Es gebe genügend trans* Männer, die die Rolle spielen könnten.

Berry schrieb, sie wolle sich für ihre Äußerungen entschuldigen. Sie sei dankbar für die Anleitung und die kritischen Gespräche. Sie werde weiterhin zuhören und aus dem Fehler lernen. "Ich gelobe, eine Verbündete zu sein und meine Stimme einzusetzen", schrieb sie bei Twitter. Die queere US-Organisation "Glaad" begrüßte die Entschuldigung auf Twitter: "Wir freuen uns, dass Halle Berry auf die Bedenken von Transgender-Menschen gehört und von ihnen gelernt hat. Andere mächtige Menschen sollten das Gleiche tun."

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Warum war ihre Entscheidung richtig?

Die Frage, ob nur trans* Personen trans* Rollen spielen sollten, ist zum einen eine Frage der Repräsentation und Gerechtigkeit. Während viele trans* Personen gar nicht für Cis-Rollen in Betracht gezogen werden, scheint dies andersherum kein Problem zu sein – so ensteht ein unfaires Ungleichgewicht: Die wenigen Rollen, die trans* Schauspieler*innen überhaupt spielen können, werden ihnen so auch noch weggenommen.

Außerdem kritisieren viele Menschen aus der LGBTQ-Community, das Cis-Schauspieler*innen, trans* Personen ihre Geschichte klauen, also Rollen wegschnappen, die für die einzelnen Personen aber auch die Community von persönlicher Bedeutung sind – die verloren geht, wenn Cis-Personen die Rollen bekommen.

Der dritte Kritikpunkt ist, das Cis-Personen anstatt von trans* Personen Filmpreise und gute Kritiken für diese außergewöhnlichen Rollen erhalten, indem sie das Leben von trans* Personen "nachäffen", die im realen Leben mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben, wie die entsprechenden Filmcharaktere.

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  • Quelle:
  • Noizz.de