Ein Blick aus dem Fenster auf die goldenen Bäume reicht aus um festzustellen: Die Herbstzeit hat begonnen. Markenzeichen des Herbsts sind aber nicht nur fallende Blätter, sondern auch saisonalen Erkrankungen wie die Grippe. Durch die Corona-Schutzmaßnahmen in diesem Jahr könnte eine Grippewelle jedoch ausfallen.

Die Corona-Pandemie hat einen neuen düsteren Meilenstein erreicht: Laut der Johns-Hopkins-Universität ist die Zahl der Covid-19-Toten am Montag auf mehr als eine Million gestiegen. Mit dem Herbstbeginn fragen sich aber viele, wie es dieses Jahr mit der Grippe aussehen könnte. Zwar gilt die saisonale Erkrankung als nicht so gefährlich wie das Coronavirus, dennoch sterben daran jedes Jahr mehrere Tausend Menschen. Als Atemwegserkrankung birgt Influenza außerdem ein höheres Risiko bei einer Coronainfektion.

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Corona-Maßnahmen schützen – auch vor der Grippe

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts war die Grippewelle im Frühjahr mindestens zwei Wochen kürzer als die Grippewellen der letzten drei Saisons. Obwohl die Grippewelle in der zweiten Kalenderwoche diesen Jahres anfing, endete sie schon in der zwölften Woche Mitte März. Grund dafür sollen die Corona-Schutzmaßnahmen gewesen sein. Besonders Lockdown-Regulierungen wie die Schulschließungen im Frühling sollen einen Einfluss gehabt haben. Zusätzlich wird durch die Maskenpflicht die Verbreitung von Atemwegserkrankungen eingeschränkt – sowohl bei Corona als auch bei der Grippe.

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Die Südhalbkugel als Vorreiter: Fällt die Grippewelle dieses Jahr aus?

Nicht nur in Deutschland flachte die Grippewelle bereits im März ab. Wer sich die FluNet-Charts der WHO anschaut, erkennt schnell, dass weltweit die Infektions- und Todeszahlen bei Influenza stark gesunken sind. Besonders in Ländern auf der Südhalbkugel wie Südafrika und Argentinien gibt es eine sehr niedrige Anzahl neuer Grippefällen, in Australien und Neuseeland gar keine, berichten "The Guardian" und "The Economist".

Dass die Grippesaison in der Nordhalbkugel total ausfällt, ist unwahrscheinlich. Aber sie wird "weniger intensiv ausfallen", vermutet Michael Baker, Professor für öffentliche Gesundheit an der University of Otago in Wellington. In Deutschland sind beispielsweise die Corona-Regulierungen nicht mehr die gleichen wie aus dem Frühjahr. Gerade in Schulen könnte es wieder zu neuen Grippeinfektionen kommen.

Ein Jahr ohne Grippewelle – was könnte das für die Zukunft heißen?

Sollte die Grippewelle diesen Herbst und Winter ausfallen, stellt sich aber die Frage, wie es in den kommenden Jahren aussieht. Denn ohne Grippeinfektionen können sich auch keine neuen Immunitäten entwickeln. Falls es keine Corona-Maßnahmen mehr gibt, könnten sich Influenza und andere Atemwegserkrankungen schneller und stärker verbreiten. Zumindest theoretisch – ob es in der Praxis dazu kommen wird, steht erst mal noch nicht fest.

  • Quelle:
  • Noizz.de