Matthew M. Williams ist zum neuen Kreativdirektor bei Givenchy ernannt worden. Ab dem 16. Juni 2020 übernimmt er die gesamte kreative Verantwortung für Damen- und Herrenkollektionen von Givenchy. Wird das Luxushaus mit ihm zum nächsten Hype-Label?

Verwegen schaut der Typ an der Kamera vorbei, während er die silberne Cuban Chain zurecht zieht, die schwer um seinen Hals liegt. Sein nackter Oberkörper wird von auffälligen Tattoos geziert, die durch die schwarz-weiße Optik der Fotografie noch krasser zur Geltung kommen. Doch der Mann auf dem Foto, das das französische Luxuslabel Givenchy am Montag auf Instagram geteilt hat, ist kein Model. Es handelt sich auch nicht um eine Parfum- oder Accessoirewerbung, wie man aus der Ästhetik der Aufnahme schließen könnte: Nein, es zeigt den neuen Kreativdirektor des Hauses.

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Der Alyx-Gründer wird zum Nachfolger von Clare Waight Keller

Matthew M. Williams wird nach dem überraschenden Abgang von Clare Waight Keller im April die künstlerische Leitung der Damen- und Herrenkollektionen der Marke übernehmen – und die Erwartungen an seine Debüt-Kollektion sind hoch: Schließlich steht der 34-jährige Kalifornier für einen ganz anderen Style als seine Vorgängerin.

Mit Claire Waight Keller hatte das Modehaus das erste Mal in seiner rund 68 Unternehmensgeschichte eine Frau an der Designspitze: Das wohl bekannteste Kleidungsstück aus der dreijährigen Zeit Kellers bei Givenchy war das Hochzeitskleid von Meghan, Herzogin von Sussex – schlicht, geradlinig, elegant.

Edgy und Unisex: So anders ist Matthew M. Williams Designstil

Matthew M. Williams steht dagegen für Roughness, Hype, Edge: Mit seinem 2015 gegründeten Label 1017 Alyx 9SM hat er zum Beispiel Gürtel designt, die an Flugzeuganschnallgurte erinnern. Silberne, grobgliedrige Ketten, die aussehen, als würden sie mehrere Kilo wiegen. Unisex-Utility-Westen und Brusttaschen, die man zur Weltuntergangsparty im Berghain 2.0 anziehen will.

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Mit den Entwürfen von Clare Waight Keller, aber auch mit dem, was man unter einem klassischen Givenchy-Look versteht (wer "Frühstück bei Tiffany" gesehen hat, weiß, wovon ich rede), hat das nichts zu tun. Am ehesten noch mit dem Vermächtnis von Riccardo Tisci, der bis 2017 Chefdesigners des Hauses war: Er hatte Givenchy mit düstere Goth-Romantik, Rottweiler-Prints und viel Sex-Appeal zum Hype-Label gemacht. Ein Erbe, dass Matthew M. Williams mit seiner Ästhetik gut wiederbeleben könnte.

Endlich haben wir etwas, auf das wir uns im Herbst freuen können – die erste Kollektion des neuen Kreativdirektors soll im Oktober in Paris gezeigt werden.

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  • Quelle:
  • NOIZZ-Redaktion