Die Gruppe hat «ein Klima der Angst und Repression» schaffen wollen.

Juli 2015. Das Auto eines Freitaler Linke-Stadtrats fliegt in die Luft. Verletzt wird niemand.

Knapp zwei Monate später explodiert ein an einem Küchenfenster einer Flüchtlingsunterkunft in Freital angebrachter Sprengkörper. Die acht Bewohner der Unterkunft bleiben nur deshalb unverletzt, weil sich zum Tatzeitpunkt niemand in der Küche befindet.

Am nächsten Tag wieder ein Sprengstoffanschlag. Diesmal ist ein Parteibüro der Linken in Freital das Ziel. Ergebnis: Ein Sachschaden. Es folgen weitere Anschläge. Im November 2015 wird bei einem weiteren Sprengstoffanschlag ein Syrer verletzt.

Lange Haftstrafen

Im Februar 2016 nimmt die Polizei schließlich mehrere Verdächtige fest. Vor genau einem Jahr begann das Gerichtsverfahren gegen Timo S., Patrick F., Philipp W., Justin S. und Maria K.. Heute, auf den Tag genau ein Jahr später folgt das Gerichtsurteil gegen die rechtsextreme Gruppe „Freital“: Das Gericht sprach sämtliche Beschuldigte der Bildung einer terroristischen Vereinigung, Herbeiführens von Sprengstoffexplosionen und versuchten Mordes beziehungsweise Beihilfe dazu schuldig. Es verhängte Gefängnisstrafen zwischen vier und zehn Jahren.

Wegen Rädelsführerschaft erhielten die Angeklagten Timo S. und Patrick F. mit zehn und neuneinhalb Jahren die höchsten Strafen. Der zum Tatzeitpunkt erst 18-jährige Justin S. erhielt eine Jugendstrafe von vier Jahren.

Glückliche Umstände, dass niemand gestorben ist

Dass die fünf Angeklagten für die Anschläge in Freital verantwortlich sind, gilt nicht als strittig. Sie wurden teils sogar von den Beschuldigten zugegeben. Jedoch wies die Verteidigung stets den Vorwurf der Bildung und Mitgliedschaft in einer Terrorgruppe sowie den des versuchten Mordes zurück.

Aus Sicht der Bundesanwaltschaft ist es nur glücklichen Umständen zu verdanken gewesen, dass bei den Anschlägen Menschen nicht schwer verletzt oder gar getötet wurden. Die Gruppe habe «ein Klima der Angst und Repression» schaffen wollen. Ziel sei es gewesen, Ausländer zu vertreiben.

[Text: zusammen mit dpa]

Quelle: Noizz.de