In den Untiefen des Sozialen Netzwerks.

Das Internet kann ein dunkler Ort sein – weiß jeder. Allerdings kann man sich normalerweise aussuchen, ob man sich in die Abgründe des Menschseins begibt, oder es doch besser sein lässt. Es sei denn, man verdient damit sein Geld. In Kalifornien und Irland gehen Facebook-Moderatoren nun an die Öffentlichkeit und vor Gericht. Ihr Vorwurf: Dass ihr schlecht bezahlter Job als Moderatoren für den Social-Media-Riesen ihre Psyche schwer belastet habe und sie auf ihre Arbeit nicht ausreichend vorbereitet oder währenddessen nicht betreut worden seien.

Facebook engagiert externe Unternehmen, die sich darum kümmern, dass die Plattform einigermaßen "sauber" bleibt. Heißt also konkret: Da sitzen Menschen, die sich ungefiltert damit auseinandersetzen, was an Grausamkeiten so durchs Netz geht. "Vice" sprach mit einem Betroffenen, der etwa davon berichtet, was er direkt am ersten Tag zu Gesicht bekam: Er musste mit ansehen, wie eine Person mit einem Holzbalken erschlagen wurde. Kinderpornographie flimmerte auch über seinen Bildschirm. Die Folgen: Traumata, Depressionen oder Alkoholismus.

Eine der Drittfirmen, die für Facebook weltweit Moderatoren rekrutiert ist CPL Resources in Dublin. Mitarbeiter, die etwa in Amerika arbeiten, können so auch in Irland vor das Oberste Gericht treten und Klage einreichen. Das ist für die Klagenden aussichtsreicher, als es in Amerika zu tun: Die Gesetze für Arbeitsbedingungen sind in Europa sehr viel strenger als in den USA.

Insgesamt gibt es etwa 15.000 Angestellte, die als Moderatoren für Facebook arbeiten – und dabei ihre Psyche aufs Spiel setzen. Daher wird auch davon ausgegangen, dass es bei diesem Rechtsstreit einen sogenannten Schneeballeffekt geben wird und sich mit der Zeit noch mehr Betroffene zu Wort melden. Die Geschichte könnte für Facebook also tatsächlich schwerwiegende Folgen haben.

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Quelle: Noizz.de